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Die stellvertretende Schulleiterin: Ursula Schmitz-Lanske
An einem heißen Tag Ende Juni 1976 betrat ich nach einem ereignisreichen Prüfungstag - das 2. Staatsexamen hatte ich gerade bestanden - meine Wohnung. Das Telefon klingelte und mein Seminarleiter teilte mir die erfreuliche Mitteilung mit, dass mein neuer Schulleiter sich bei ihm gemeldet habe. Auf die Frage, wo denn meine neue Arbeitsstätte sei, bekam ich die Antwort: "In Wegberg, aber wir finden die Schule nicht im Kunze." Mein erster Gedanke war: Wo ist Wegberg? Ehrlich gesagt, ich hatte noch nie von diesem Ort gehört. Ich hatte vor meinem Studium und der Referendarzeit in Aachen 19 Jahre in Düsseldorf gewohnt, aber wo war Wegberg? Mit dem Hinweis, es liege bei Erkelenz, kamen wir der Sache näher. Diese Stadt kannte ich zumindest als Bahnstation zwischen Aachen und Düsseldorf. Doch, was war das für ein Gymnasium, das es noch nicht einmal auf dem Papier gab? Was erwartete mich also?
Am nächsten Tag rief mich dann Herr Hardmann, mein zukünftiger "Chef", an und klärte mich auf: In Wegberg entstände ein neues Gymnasium. Das Gebäude sei noch im Bau, aber zu Beginn des Schuljahres 1976/77 sei es dann beziehbar. Wir sollten uns doch mal treffen. In Ermangelung eines Raumes in Wegberg verabredeten wir uns dann in der Bahnhofskneipe in Erkelenz. Dort fand dann das erste Meeting des gesamten Lehrerkollegiums statt, bestehend aus Herrn Hardmann als jungen, dynamischen Schulleiter in spe aus Duisburg, Herrn Dr. Brandes, der gerade auch seine Referendarzeit beendet hatte, und mir als "Frischling". Die erste Frage war, wer unterrichtet was? Herr Brandes war mit den Fächern Deutsch und Englisch belegt, ich übernahm die Fächer Mathematik, Biologie und evangelische Religion und Herr Hardmann Latein, Erdkunde, Sport und den Rest der Fächer.
Nach den Sommerferien begannen wir dann mit drei Sexten. Ich wurde Klassenmutter der V b mit 33 Schülern.
Wir waren mit diesen drei Klassen in dem hochmodernen, neuerrichteten Gebäude der Hauptschule untergebracht. Dort hatten wir drei Klassenräume, ein gemeinsames Lehrerzimmer, das wir ja kaum brauchten, da wir entweder Unterricht oder Aufsicht hatten, und ein gemeinsames Sekretariat. Als Sekretärin stand uns Frau Stormanns zur Seite. Trotz der vielen Behelfsmäßigkeiten war es eine wunderschöne und erfahrungsreiche Zeit für mich. Ich kannte jeden Schüler und jede Schülerin unserer Schule. Es war fast familiär - auch das Verhältnis zu den Elternhäusern unserer Schutzbefohlenen. Dann mussten die ersten Zeugnisse geschrieben werden, leider hatte ich mir im Skiurlaub den Arm gebrochen, also übernahm unsere "gute Fee" Frau Stormanns die Schreibarbeit, ich diktierte ihr die Noten und unterschrieb mit Links. Es ging alles, es durfte nur keiner krank werden. Mit einer kollektiven Grippeschutzimpfung überstanden wir auch die Winterzeit. Zu Beginn des nächsten Schuljahres verdreifachte sich schon die Anzahl der Kollegen. Unser Gymnasium wuchs ständig. Es kamen neue Sextaner, es gab neue Klassen, es gab wieder Zeugnisse, Versetzungen und auch Nichtversetzungen sowohl von Schülerinnen und Schülern als auch Lehrerinnen und Lehrern.
Im Jahr 1985 wurde das erste Abitur am Gymnasium in Wegberg durchgeführt. Für alle Beteiligten spannend - Schülerschaft wie auch Lehrerkollegium. "Meine Schüler und Schülerinnen der ersten Stunde" wurden mit dem Reifezeugnis in der Hand in das Leben entlassen. Darauf konnten wir alle mit Recht stolz sein. Als ich vor kurzem die Adressen für die Einladungen zu unserem Jubiläumsball zusammenstellte, war ich doch sehr erstaunt, dass es inzwischen über 1600 Namen von ehemaligen Schülerinnen und Schülern sind, die im Laufe von 16 Jahren mit dem Abitur unsere Schule verlassen haben. Wo ist die Zeit geblieben?
Jetzt bin ich 25 Jahre an dieser Schule - so lange, wie die Schule alt ist - ich habe es nie bereut, dass ich nach Wegberg gekommen bin - auch wenn es mal Höhen und mal Tiefen gab. Mir hat die Schule und das Lehrerinnendasein an dieser Schule immer Spaß gemacht, ansonsten hätte ich mich im letzten Jahr auch nicht um die Stelle der stellvertretenden Schulleiterin beworben. Ich hoffe, dass ich diese positive Einstellung zu unserer Schule noch lange an meine Schüler und Schülerinnen und auch an meine (jungen) Kollegen und Kolleginnen weitergeben kann.
Nur wir alle zusammen machen Schule am Maximilian-Kolbe-Gymnasium in Wegberg!
Ursula Schmitz-Lanske (Der Artikel entstand im Rahmen der Festschrift zum 25-jährigen Bestehen des MKG Wegberg)
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