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[ Berichte > Berichte für das Jahr 2012 > Bericht vom 18.01.2012 ]

Erschütterndes aus der DDR-Zeit

Mit einem aufwühlenden Film und eigenen Schilderungen brachte Hartmut Richter Schülerinnen und Schülern des Maximilian-Kolbe-Gymnasiums sowie der Real- und Hauptschule Wegberg die Zeit des Berliner Mauerbaus und dessen Folgen näher. Richter floh 1966 in den Westen und war fünf Jahre inhaftiert, ehe der Westen ihn freikaufte.

Hartmut Richter, DDR-Flüchtling und anschließend Fluchthelfer, erzählte im Pädagogischen Zentrum des Maximilian-Kolbe-Gymnasiums sowie im Forum der Edith-Stein-Realschule (hier im Bild) aus seinem bewegten Leben - auch aus seiner Gefängniszeit mit Isolationshaft. (RP-Foto: Günter Passage)

Zur Zeit des Mauerbaus im August 1961 war Hartmut Richter 13 Jahre alt. Er war damals zu Besuch bei einer Cousine in West-Berlin und beobachtete, wie an der Bernauer Straße die Grenzabsperrungen hochgezogen wurden. Kurz darauf kehrte er in die DDR zurück.

Um diese Zeit und die Reaktionen auf den Mauerbau zu dokumentieren, zeigte er im im Pädagogischen Zentrum des Maximilian-Kolbe-Gymnasiums sowie im Forum der Realschule den Film "Flucht aus Berlin", der auch von seiner eigenen Flucht in den Westen handelte.

VdK Selfkant ist Organisator

Bereits im siebten Jahr organisiert der VdK Ortsverband Selfkant diese Vortragsreihe an Schulen. Alle drei Jahre kommen Richter, Vorsitzender Hans Soiron und Franz Lippertz dazu ins Erkelenzer Land. Nach der Begrüßung startete Richter den emotionalen Film. Schwarzweiße Aufnahmen erzählten von dem Bau der Mauer, den ersten getöteten Grenzgängern und von Menschen, die sich aus ihren Wohnungen in den Westteil Berlins absetzten. Zeitzeugen kamen zu Wort, die einen Fluchttunnel bauten oder auch Grenzsoldaten waren.

Richter selbst beschloss, aus der DDR zu fliehen. 900 Meter durchschwamm er in der Nacht vom 26. auf den 27. August 1966 den Teltow-Kanal. "Einen fest verankerten Gitterzaun in dessen Mitte zu überwinden, war am schwierigsten", erzählte er. Und später Ostdeutsche im Kofferraum durch die Transitzone nach West-Berlin zu schmuggeln, sei "Ehrensache" gewesen.

Auf seiner 31. Fahrt wurde er kontrolliert und seine Schwester im Kofferraum entdeckt. Fünf Jahre und sieben Monate büßte er für "staatsfeindlichen Menschenhandel" im Gefängnis ab und kam 1980 frei. 34 000 Menschen wurden in jenem Jahr vom Westen freigekauft - darunter Richter, der ursprünglich 15 Jahre absitzen sollte. 1989 fiel die Mauer und wenig später das DDR-Regime - 172 Tote hatte es bis dahin an dieser Grenze gegeben.

Wo er zur Zeit des Mauerfalls gewesen sei, fragte eine Zuhörerin. Er habe in West-Berlin in der Ackerstraße gewohnt und sich Richtung Brandenburger Tor aufgemacht. Und bezüglich der Haftbedingungen erklärte er, nicht physisch gefoltert worden zu sein (dies sei 1953 eingestellt worden). Stattdessen habe er unterschiedlich lange Isolationszeiten ertragen müssen. "Ich habe heute noch manchmal Alpträume, in denen ich die Fahrzeug-Kontrolle erneut erlebe", sagte er und schloss mit Schilderungen seiner Kindheit und Jugendzeit.

Von Nicole Peters
Rheinische Post, 18.01.2011 (Seite C3)