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[ Berichte > Berichte für das Jahr 2013 > Bericht vom 24.05.2013 ]

Verbrannte Bücher! - Verbrannte Dichter?

Als am 10. Mai 1933 deutsche Studenten in mehreren deutschen Städten unter der Kampagne "Wider den undeutschen Geist" auf makabre Art und Weise die Bücher bekannter deutscher Autoren verbrannten, blieb von einem Großteil unserer Kultur nur ein Häufchen Asche übrig.

Anlässlich des  80. Jahrestages der Bücherverbrennung organisierte die Fachschaft Geschichte des Maximilian-Kolbe-Gymnasiums Wegberg am 16.05.2013 zwei Aktionen, um an diese schreckliche Tat zu erinnern.

Zum einen präsentierte Oliver Steller gemeinsam mit seiner Begleitband im Pädagogischen Zentrum des Gymnasiums musikalisch untermalte Texte von Heinrich Heine, Erich Kästner, Heinrich Mann, Kurt Tucholsky und anderen. Dank des großzügigen Sponsorings aus den Mitteln des Wasserwerkes des Kreises Heinsberg, des Landrates des Kreises Heinsberg sowie der Kreissparkasse Heinsberg hatten alle Interessierten die Möglichkeit, kostenlos an diesem Abend teilzuhaben.

Impressionen vom Abend mit Oliver Steller.

Zum anderen haben sich die Schüler der Klasse 8d bereits im Vorfeld mit den von der Bücherverbrennung betroffenen Künstlern beschäftigt und den Gedenktag mit einer gelungenen Ausstellung zu diesem Thema bereichert. Auf zahlreichen Stellwänden, die sowohl im Geschichtsunterricht als auch während der Pausen besichtigt werden können, werden unter Anderem Biographien, Zitate und kurze Filmausschnitte vorgestellt.

Der lyrische Abend mit dem bundesweit bekannten Rezitator Oliver Steller wurde von einem der Hauptorganisatoren, dem Religions- und Geschichtslehrer Hans-Jürgen Knubben, eingeleitet. Es folgte eine höchst abwechslungsreiche Vorstellung  lyrischer Kostproben der oben erwähnten Dichter, wobei sowohl sehr ernsthafte und ergreifende Texte als auch humorvolle Gedichte in Melodien gefasst wurden. Mit seiner ausdrucksstarken Stimme und  seinen schauspielerischen Fähigkeiten konnte Oliver Steller schnell die volle Aufmerksamkeit des Publikums gewinnen. Auf die Frage, wie die Idee zu der Vertonung von Gedichten entstanden ist, erzählte der Künstler, dass er schon in früher Kindheit begonnen hatte, Musik zu machen und Gitarre zu erlernen. Als Jugendlicher wurde er Mitglied einer Band, die selber Lieder schrieb und einstudierte. Für sie war es eine besonders große Herausforderung, geeignete Texte zu ihren Melodien zu finden, da sie sich nicht mit allgemein verbreiteten Liedtexten zufriedengeben wollten. So begannen sie, Gedichte und lyrische Texte berühmter Autoren als Texte für ihre Lieder zu verwenden. Nach seinem Musikstudium in den USA griff er diese Idee im Jahr 1994 wieder auf und begann Gedichte zu vertonen. Heute ist Oliver Steller als die "Stimme deutscher Lyrik" bekannt und besonders mit seinen Kinderprogrammen auch an Schulen erfolgreich.

Impressionen vom Abend mit Oliver Steller.

In einer kurzen Pause hatten die Gäste die Möglichkeit, sich an einem Stand des Schreibwarengeschäfts "Kirch" aus Wegberg Bücher zu dem Thema "Bücherverbrennung" anzusehen, anzulesen und zu erwerben. Zudem konnten die Gäste CDs und Bücher von Oliver Steller kaufen, während der Künstler selbst Fragen über die Entstehung seiner Werke beantwortete. Für eine Getränkeerfrischung vor Beginn des zweiten Teils des Programms sorgten die Mitglieder des USA-Austauschprogramms "GAPP".

Der zweite Teil der Präsentation zeigte dem Zuschauer besonders deutlich, welche für die Kultur essentiellen Werke mit der Bücherverbrennung vor 80 Jahren verloren gingen und wie komplizierte Texte mit einer Melodie verständlicher und eindrucksvoller gestaltet werden können.

Zum Ende der Vorstellung bedankte sich der Schulleiter Willy Meersmann herzlich bei den Musikern und den Organisatoren des Abends und sicherte dem begeisterten Publikum eine Zugabe der Gruppe.

Impressionen vom Abend mit Oliver Steller.

Als Fazit dieses eindrucksvollen und trotz des sensiblen Anlasses humorvoll und einfühlsam gestalteten Abends lässt sich festhalten:

"Die Flammen, die zuerst über den Bücherhaufen prasselten, verschlangen später im Feuersturm unsere Städte, menschliche Behausungen, die Menschen selbst. Nicht der Tag der Bücherverbrennung allein muss im Gedächtnis behalten werden, sondern diese Kette: Von dem Lustfeuer an diesem Platz über die Synagogenbrände zu den Feuern vom Himmel auf die Städte."
(Horst Köhler anlässlich des 75. Jahrestages der Bücherverbrennung)

Von Kristina Doering (Jgst. 10)