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[ Berichte > Berichte für das Jahr 2014 > Bericht vom 10.02.2014 ]

Poetry Slam - Sieg bewegender Worte

Poesie berührt uns Menschen. Das zeigte sich kürzlich, als das Video der Slam-Poetin Julia Engelmann in sozialen Netzwerken mehr als anderthalb Millionen Mal geteilt wurde. Das zeigte sich auch beim Poetry Slam "Sklave der Schrift" im Maximilian-Kolbe-Gymnasium. Mit lustigen Anekdoten, Texten über Alltagsprobleme und gesellschaftliche Missstände ließ sich das Publikum von talentierten Jungpoeten bewegen.

16 junge Schreiber bewiesen viel Talent und noch mehr Hingabe – unter ihnen auch Maily Eisele. (RP-Foto: Jürgen Laaser)

Viel Überzeugungsarbeit mussten die Lehrer Christoph Görner und Alexander Hergert im Literaturkursus nicht leisten. "Das Interesse der Schüler, ihre Texte vorzutragen, wuchs von alleine", so Görner. Alle 16 bewiesen viel Talent und noch mehr Hingabe. Als Sechster betrat der älteste Teilnehmer die Bühne. Eine außergewöhnliche Sprachgewalt brachte der 20-Jährige mit: Von Engels- und Teufelschören auf den Schultern, von Hilflosigkeit und dem rettenden Anker "Freunde und Familie" handelte sein düsteres "Spiel des Lebens".

Kein Zuhörer konnte sich der einnehmenden Atmosphäre entziehen, die Johannes Bösch mit seinen Worten malte. "Die Texte sind Abbilder meines Lebens, das Schreiben wie eine Therapie für mich." In dem autobiografischen Stück habe er Depressionen verarbeitet, verriet er. Die Juroren Susanne Goga und Volker Hein erkannten dies an und kürten ihn als Sieger des zweiten Literaturwettbewerbs: "Rhythmik und Fluss des Vortrages sind heute unübertroffen geblieben", begründeten beide ihre Entscheidung. Auch den Publikumspreis gewann Bösch.

Frei vorgetragene, Rap-Gesang ähnliche Passagen und eine Spur von Wahnsinn als Charakteristika des Gewinner-"Slams". Eine Drehung um hundertachtzig Grad dann die Thematik des Textes, mit dem Noah Müller auftrat. "Hier lag die Würze in der Kürze", so Juror Volker Hein. "Ich krieche, ich schlafe, ich hänge" - mit diesen pointierten Worten zum Alltag eines Faultieres kitzelte Noah Müller im Stile eines geübten Poetry Slammers laute Lacher aus den Zuhörern. Er präsentierte zwei Kurzgeschichten um Faultier und Fuchs mit einer Leichtigkeit, deren Komik ihm den zweiten Platz einbrachte.

Dritte wurde Maike Bamler. Ein Text wie das Drehbuch eines Horrorfilms: uneindeutig, träumerisch, skurril. Aufwühlend war sie, ihre Geschichte um ein geisteskrankes Mädchen, deren einzige Fluchtmöglichkeit aus dem psychiatrischen Alltag die eigene Traumwelt ist. So fiel selbst den Moderatoren Sven Klose und Lennart Glehn die Überleitung zum folgenden Referenten sichtlich schwer - Poesie bewegt uns Menschen eben. Das geschriebene Wort noch immer schwer. So lautete das Motto des 2. Literaturwettbewerbs "Das Wort gewinnt".

Der Poetry-Abend bewies mehr: Er war ein 90-minütiger Triumph des geschriebenen Wortes über flüchtige Ablenkungen. Und das insbesondere dank seiner jungen, talentierten Verfechter.

Von Jessica Balleer
Rheinische Post, 10.02.2014 (Seite C3)