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[ Berichte > Berichte für das Jahr 2014 > Bericht vom 19.04.2014 ]

Leonardo-Da-Vinci-Preis am MKG Wegberg - Schüler werden kleine Ingenieure

Worin die Besonderheiten des neuen Konzepts liegen und wofür der Leonardo-da-Vinci-Preis verliehen wurde, finden Kristina Döring und Miriam Bank, Reporterinnen für die Schulhomepage des MKG Wegberg, im Interview mit Frau Obdenbusch heraus.

Impressionen aus dem Differenzierungskurs "Ingenieurwissenschaften".

Miriam Bank: Was genau muss man sich unter dem Differenzierungsangebot "Ingenieurwissenschaften" vorstellen? Was ist das Ziel des Angebotes?

Margarete Obdenbusch: Das Differenzierungsfach wird in den Klassen 8 und 9 belegt. Dabei dreht sich alles um die Frage: Was macht eigentlich ein Ingenieur? Darauf eine Antwort zu geben, ist gar nicht so einfach, weil die Tätigkeiten und Aufgabenfelder so unterschiedlich sind. Aber das wollen wir auch gar nicht. Stattdessen geben wir den Schülern Gelegenheit, sich selbst ein Bild vom Ingenieurberuf zu machen. Im Unterricht zeigen wir ihnen unterschiedliche Themenbereiche der Ingenieurwissenschaften auf und ermöglichen ihnen, vielfältige Facetten dieses Berufsfeldes kennenzulernen. Unser Ziel ist es, den Schülern so einen möglichst authentischen Eindruck des Ingenieurberufs zu vermitteln.

Kristina Döring: Welche sind Ihrer Meinung nach die Besonderheiten des Unterrichtsfaches?

Margarete Obdenbusch: Die größte Besonderheit ist die enge Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern, die fest im Lehrplan integriert ist. Da wir als Lehrer ja keine Ingenieure sind, haben wir uns Verstärkung von Ingenieuren aus der Industrie und Forschung geholt. Als Experten teilen sie ihre Erfahrungen mit den Schülern und berichten aus erster Hand über ihren Berufsalltag, Forschungsfragen oder industrielle Anwendungsgebiete.

Miriam Bank: Das klingt spannend! Um welche Vertreter handelt es sich da und wie sieht die Kooperation aus?

Margarete Obdenbusch: Erfreulicherweise ist es uns gelungen, Kooperationen zu Partnern aus Industrie und Forschung aufzubauen und damit verschiedene Aspekte abzudecken. Je nach Partner sieht die Zusammenarbeit unterschiedlich aus. Im letzten Halbjahr haben wir im Rahmen unserer Themenreihe "Robotik" u.a. eine Exkursion zum Mercedes-Benz-Werk in Düsseldorf gemacht und so ein Beispiel industrieller Anwendung der Robotik gesehen. Den Einstieg in das Thema "Automatisierung" hat ein Dozent vom Werkzeugmaschinenlabor (WZL) der RWTH Aachen übernommen. Gut verständlich hat er den Schülern die Grundzüge der Automatisierung erklärt und dabei von seinen umfassenden Erfahrungen auf diesem Gebiet berichtet. Für das kommende Schulhalbjahr hat er uns auch eine Führung durch das WZL angeboten. Daneben sind Exkursionen zum Forschungszentrum Jülich und zum Energiekonzern RWE geplant, wenn im nächsten Schuljahr Energietechnik auf dem Plan steht.

Impressionen aus dem Differenzierungskurs "Ingenieurwissenschaften".

Miriam Bank: Bis jetzt fielen Begriffe wie Robotik und Energietechnik. Welche weiteren Themenbereiche werden abgedeckt?

Margarete Obdenbusch: Inhaltlich ist unser Unterrichtsfach in die Einheiten Robotik, Automatisierung, Verfahrenstechnik und Energietechnik gegliedert. Hinter diesen teilweise undurchsichtigen Fachbegriffen verbergen sich dabei für die Schüler spannende und alltagsnahe Fragestellungen. Wie baut man einen Roboter? Wie werden Legosteine produziert? Was ist eigentlich eine Brennstoffzelle? Das sind ein paar der Fragen, denen wir im Laufe der zwei Unterrichtsjahre nachgehen. Auch hier haben wir uns bemüht, möglichst vielfältige und abwechslungsreiche Inhaltsfelder auszuwählen, die den Schülern einen guten Überblick über das weite Spektrum der Ingenieurwissenschaften geben. So erlangen die Schüler fachübergreifende Grundlagen aus den Bereichen Physik, Elektrotechnik, Informatik und Chemie.

Kristina Döring: Was Sie beschreiben, klingt nicht nach gewöhnlichen Unterrichtsroutinen. Wie sieht denn eine typische Unterrichtsstunde in Ingenieurwissenschaften aus?

Margarete Obdenbusch: Die typische Stunde gibt es eigentlich nicht. Inhaltlich und methodisch ist der Kurs sehr abwechslungsreich gestaltet. So wechseln sich Selbstlernphasen, Unterrichtsgespräche, Expertenvorträge und Gruppenarbeiten ab. Eine zentrale Rolle in jedem Halbjahr spielt allerdings die Projektphase. Nachdem in einem neuen Fachgebiet das notwendige Grundlagenwissen erarbeitet wurde, wird dieses in der Projektphase praktisch angewandt. Hierbei können die Schülerinnen und Schüler in selbständigen Projekten eigene Ideen und kreative Lösungen umsetzen. Dabei werden sie frühzeitig mit den Arbeitsweisen vertraut gemacht, auf die es im Berufsleben und der Wissenschaft ankommt. Die Schüler lernen kooperativ im Team zusammen zu arbeiten und ihre Ergebnisse in zu präsentieren.

Kristina Döring: Was für Projekte werden bearbeitet? Können Sie uns ein Beispiel geben?

Margarete Obdenbusch: Im letzten Halbjahr bauten die Schüler als Projektarbeit zur Reihe "Robotik" einen eigenen Roboter mit Lego MINDSTORMS. Dabei kamen sehr kreative Arbeiten heraus wie zum Beispiel der "Nutella-Brot-Schmier-Roboter" oder der "Butler-Roboter". Der Ideenreichtum und die hohe Qualität der Schülerleistungen haben meine Erwartungen sogar noch übertroffen! Ich habe mich auch gefreut, zu sehen, mit welcher Freude die Schülerinnen und Schüler an ihren Projekten arbeiteten.

Impressionen aus dem Differenzierungskurs "Ingenieurwissenschaften".

Miriam Bank: Und wie kommt das Angebot bei den Schülern an? Was gibt es für Rückmeldungen?

Margarete Obdenbusch: Die Schülerinnen und Schüler zeigen sehr viel Begeisterung, vor allem an den praktischen Arbeiten. Sie leisten sehr hochwertige Beiträge, was ich als positive Rückmeldung empfinde. Viele Schüler erzählen mir, dass die Exkursionen für sie besonders spannend sind, weil sie dort den praktischen Nutzen unseres Wissens sehen können. Aber selbst während einem neunzigminütigen Expertenvortrag sind sie hochkonzentriert und die vielen Nachfragen zeigen anhaltendes Interesse.

Kristina Döring: Also wird es das Angebot auch weiterhin geben?

Margarete Obdenbusch: Auf jeden Fall! Für uns war das erste Jahr besonders aufregend, um zu sehen, ob und wie sich solch ein Differenzierungsangebot umsetzen lässt. Wir sind ja jetzt auch gut mit Materialien ausgestattet. Wir hoffen, auch im nächsten Jahr so interessierte und begeisterte Schülerinnen und Schüler für das Programm gewinnen zu können.

Miriam Bank: Nun wurde der "Probelauf" ja gleich mit dem Leonardo-da-Vinci-Preis ausgezeichnet. Um was für einen Preis handelt es sich da und wie kam es dazu?

Margarete Obdenbusch: Auch der Leonardo-da-Vinci-Preis wurde zum ersten Mal bundesweit ausgeschrieben. Er zeichnet das überzeugendste Unterrichtskonzept aus, das naturwissenschaftliche und technikwissenschaftliche Inhalte miteinander verbindet. Der Preis wird vom VDI, Verein Deutscher Ingenieure, und vom MNU, Verein zur Förderung mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterrichts, verliehen. Ein Kollege, Sven Thelen, unser Koordinator für MINT-EC, machte mich auf den neu ausgeschriebenen Preis aufmerksam. Das MKG ist ja MINT-EC Schule. Der Verein MINT-EC vermittelt nicht nur Schülerpraktika, sondern weist eben auch auf Zertifikate und Preise im MINT-Bereich hin. Ich solle mich doch einfach mal bewerben, schlug mein Kollege vor. Unser Konzept hat wohl überzeugt. Nun stehen uns für 2000€ Sachmittel zur Verfügung, worüber wir uns natürlich sehr freuen!

Miriam Bank und Kristina Doering: Wir gratulieren zum Leonardo-da-Vinci-Preis! Am 11. April 2014 geht es für Margarete Obdenbusch und eine Begleitperson zur Siegerehrung nach Kassel. Wir wünschen viel Spaß und weiterhin viel Erfolg für das Differenzierungsangebot Ingenieurwissenschaften!

Das Interview führten Miriam Bank
und Kristina Doering (Jgst. 11)