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[ Berichte > Berichte für das Jahr 2020 > Bericht vom 16.02.2020 ]

Projekttag "Cybermobbing" der 6. Klassen

Am Mittwoch, dem 29. Januar 2020, stand der gesamte Tag in den 6. Klassen unter dem Thema "Cybermobbing". Unter "Cybermobbing" versteht man die Beleidung, Bedrohung, Bloßstellung oder Belästigung von Personen mithilfe von Kommunikationsmedien.

Das besondere Problem beim Cybermobbing besteht darin, dass man sich nicht so einfach davor schützen und das Mobbing einen zu jeder Zeit erreichen kann. Die Beleidigungen sind durch das Internet allen Menschen zugänglich und können von jedem abgerufen werden. So bekommt das Opfer teilweise selbst auch gar nicht mit, was andere hinter dessen Rücken posten. Mittlerweile sind acht Prozent der jugendlichen Internetnutzer zwischen 12 und 19 Jahren Opfer von Cybermobbing (JIM Studie 2016). Um Mobbing zu vermeiden, sollten Kinder und Jugendliche möglichst wenige Informationen von sich im Internet preisgeben. Nicht jedes Bild sollte veröffentlicht werden und bei Freundesanfragen ist es ratsam, kritisch zu bleiben, um Mobbing keine Chance zu geben.

Am Projekttag "Cybermobbing" haben die Sechstklässler*innen nach dem Einstieg in das Thema und der Erinnerung an die Regeln, dass es wichtig ist, andere ausreden zu lassen, einander zuzuhören und Respekt zu zollen, einen Fragebogen zur eigenen Mediennutzung ausgefüllt. Fragen waren beispielsweise, welche sozialen Netzwerke sie nutzen, wie viel Zeit sie im Internet verbringen und ob sie schon einmal Stress im Internet hatten oder mitbekommen haben. Die Antworten wurden im Anschluss in der gesamten Klasse besprochen.

Dabei hat sich herausgestellt, dass die sozialen Netzwerke TikTok, Instagram, YouTube, WhatsApp und Snapchat beliebt sind. Twitter und Facebook werden nur noch von wenigen Schüler*innen benutzt.

Die Gründe für das Benutzen der Netzwerke sind hauptsächlich der Kontakt zu anderen Menschen und das Sammeln von Likes und Followern. Es gibt verschiedene Arten von Freunden, welche, die man nur online hat, und diese, die man aus dem realen Leben kennt und zu denen man den Kontakt über das Internet vertieft.

In der Klasse, die ich am Projekttag besucht habe, verbringt der Großteil am Wochenende insgesamt mehr als 4 Stunden im Internet. Ein Viertel der Klasse verbringt nach eigener Einschätzung mehr als 10 Stunden im Internet und in sozialen Netzwerken.

Im Anschluss wurde der Unterschied zwischen Beleidigungen im Netz und in der realen Welt erörtert. Cybermobbing findet leicht statt, weil es im Internet anonymer ist. Hier kann man sich einfach hinter Pseudonymen verstecken. Die Menschen trauen und erlauben sich mehr, da sie kaum Konsequenzen fürchten. Die Täter fühlen sich sicher.

Im nächsten Block wurden die persönlichen Grenzen der Teilnehmer*innen erarbeitet. Dazu hat Herr Friedrich mit Klebeband eine Skala auf den Boden geklebt. Der Bereich von O.K. bis Nicht-O.K. wurde in vier Stufen unterteilt.

Auf die Frage, ob man einen Freund fotografieren darf, hat sich der Großteil der Klasse bei Nicht-O.K. einsortiert. Die Begründungen dafür waren, dass es in der Schule verboten ist und es von der Person selbst ungewollt sein kann.

In Deutschland ist es verboten, Bilder von anderen Personen zu veröffentlichen, da es eine Verletzung des höchst persönlichen Lebensbereichs darstellt (§ 201a StGB).

Die Schüler*innen haben erfahren, dass das Hochladen von Fotos ein sensibles Thema ist. Daher sollte man immer abgebildete Personen um Erlaubnis bitten und beachten, dass Bilder häufig geteilt und weiter verschickt werden. Wenn man ein Bild hoch lädt, gibt man die Rechte an dem Foto ab, sodass die Betreiber der jeweiligen Plattform das Bild für alle möglichen Zwecke nutzen können. Wenn man einmal etwas ins Internet stellt, wird es nie vollständig verschwinden. Sucht man später einen Job, durchforsten manche Arbeitgeber das Internet nach Fotos und Beiträgen des Bewerbers. Als unvorteilhaft kann es sich dabei erweisen, wenn viele Partyfotos und Ähnliches online zu sehen sind. Daher ist es wichtig, vorher nachzudenken, ob man das Bild oder den Beitrag wirklich teilen möchte, und sich allen Konsequenzen bewusst zu sein.

Aus den Antworten auf die nächste Frage, wie die Schüler*innen zu Streit mit Beleidigungen stehen, ging hervor, dass wenige der Meinung sind, dass Streitereien mit Demütigungen und Erniedrigungen passieren und zum Leben dazu gehören. Im Internet sind solche Situationen häufiger zu finden. Beleidigungen zählen im Internet genauso als Strafbestand wie im normalen Leben (§185 StGB). Problematisch ist, dass sich ein starkes Ungleichgewicht zwischen Tätern und Opfern ausbildet.

Die Sechstklässler*innen erkannten, dass sich Gerüchte über das Internet sehr viel schneller verbreiten und es fast unmöglich ist, dies aufzuhalten.

Im nächsten Block hat die Klasse den Film "Netzangriff" analysiert und dabei Täter, Opfer und Mitläufer charakterisiert. Gründe, zum Täter zu werden, können Belustigung, Rache, erwartete Aufmerksamkeit, Neid und die eigene Aufwertung sein. Die betroffene Person oder das Opfer zieht sich durch Mobbing immer mehr aus der Schule und von den eigenen Eltern zurück. Sie wird traurig, nachdenklich, einsam und beginnt immer mehr an ihrem Leben zu zweifeln. Die Folgen können von Traurigkeit und Isolation über Depression bis hin zum Selbstmord gehen.

Sind die Mitläufer passive Täter? Mitläufer haben oft Angst, sich gegen den Täter zu stellen, da sie nicht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen möchten. Sie sind oft unsicher und helfen deshalb nicht. Die Mitläufer unterstützen den Täter, ermutigen ihn teilweise und stehen hinter ihm.

Am Ende haben alle Teilnehmer*innen die Medienvereinbarung unserer Schule gelesen und darüber gesprochen, wie sie die einzelnen Regelungen sehen. Die meisten Regeln wurden von der Klasse akzeptiert und für richtig befunden. Lediglich bei der Bestimmung, dass man das Handy in der Schule erst ab der siebten Klasse nutzen darf, bestand Gesprächsbedarf. Diese Regelung war getroffen worden, da die Verantwortungsfähigkeit in der fünften und sechsten Klasse noch nicht bei allen Schüler*innen gewährleistet ist. Auch wurde der Zwiespalt zwischen dem Schutz vor den Gefahren und dem Lehren des verantwortungsvollen Umgangs mit den digitalen Medien in der Schule herausgestellt.

Die Schulvereinbarung zur Mediennutzung findet sich für alle zum Nachlesen auf der Schul-Homepage im Download-Bereich.

Als "Hausaufgabe" nach dem Projekttag sollten nun alle Schüler*innen jeweils drei Personen, die möglichst aus der eigenen Klasse sind, notieren, die sie im Falle von Mobbing unterstützen können. Diese Personen sollen als "Anker" fungieren.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es bei dem Projekttag "Cybermobbing" der Klassen 6 um eine Sensibilisierung der Schüler*innen für das Thema und einen mündlichen Austausch darüber ging. Bei den Gesprächen mit den Sechstklässler*innen wurde deutlich, dass viele von ihnen bereits Kontakt mit diesem ernst zu nehmenden und weit verbreiteten Thema hatten.

Vielen Dank an Herrn Friedrich und allen anderen Organisatoren für den gelungen Tag!

Von Nina Münch (Jgst. Q1)