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[ Berichte > Berichte für das Jahr 2020 > Bericht vom 14.03.2020 ]

Vorabitur in Zeiten von Corona

Ihre Vorabiturklausuren dürften sich die meisten Wegberger Abiturienten anders vorgestellt haben. Nach den Schulschließungen vor mehr als zwei Wochen aufgrund der Coronavirus-Situation im Kreis Heinsberg hatten Schüler und Schulleitung des Maximilian-Kolbe-Gymnasiums eine Weile gebangt. Denn nach den Karnevalstagen standen für die Jahrgangsstufe Q2 die letzten Klausuren vor dem Abitur an.


Fenster geöffnet, Jacken an, Platz lassen: Die Schüler am Maximilian-Kolbe-
Gymnasium schrieben Freitag ihre Vorabitur-Klausur. (RP-Foto: Ruth Klapproth)

Die Schule und Kommunen im Kreis Heinsberg hatten sich um eine Ausnahmeregelung bemüht. Der Krisenstab der Kreisverwaltung genehmigte in der vergangenen Woche schließlich, dass die Klausuren der Q2 trotz der Schulschließungen stattfinden dürfen, wenn besondere Sicherheitsvorkehrungen eingehalten werden: Zur Minimierung des Risikos begannen die Klausuren zeitversetzt. Gleichzeitig wurde versucht, die Schüler über möglichst viele Räume zu verteilen, so dass in der Regel maximal acht Schüler pro Zimmer ihre Klausuren geschrieben haben. Weil die Räume stetig gut belüftet sein mussten, um das Ansteckungsrisiko zu minimieren, waren die Schüler im Vorfeld dazu aufgefordert worden, sich warm anzuziehen.

Am Mittwoch und am Freitag fanden am Wegberger Gymnasium schließlich die Klausuren in den Leistungskursen statt. Am nächsten Montag folgt das dritte Abiturfach. Der Gong wurde ausgeschaltet, und insgesamt war es natürlich noch viel ruhiger in der Schule als sonst. Doch wie haben die Schüler die besonderen Umstände und Bedingungen wahrgenommen?

Die Situation ist für Schüler und Lehrer neu. "Mittwoch war es sehr kalt in unserem Raum, Freitag war es in Ordnung", berichtet Abiturient Florian Wagner. Mitschülerin Jule Meyer ergänzt: "Dadurch, dass wir jetzt frei hatten, konnte man sich zwar in Ruhe vorbereiten, andererseits hat man sich natürlich Gedanken gemacht, was passieren könnte." Für die beiden war aufgrund von Quarantänefällen bei Kontaktpersonen zunächst nicht klar, ob sie die Klausuren mitschreiben durften. "Das Testergebnis kam rechtzeitig, und ich bin erleichtert, dass ich mitschreiben konnte und es jetzt hinter mir habe", sagt Jule Meyer.

Insgesamt waren die Schüler am Maximilian-Kolbe-Gymnasium froh, dass sie, wenn auch unter ungewöhnlichen Bedingungen, die wichtigen Klausuren schreiben konnten. "Von anderen Schulen habe ich gehört, dass die Jahrgangsstufen diese Möglichkeit nicht so positiv aufgenommen haben", berichtet Schulleiterin Maj Kuchenbecker.

Das Ende ihrer Unterrichtszeit kam für die Abiturienten abrupt und deutlich früher als erwartet. Zudem sind viele Schüler traurig über die für sie wegfallenden Veranstaltungen: "Eigentlich kam nach Karneval für uns gedanklich der Endspurt, die letzten gemeinsamen Wochen in der Schulzeit. Durch die Situation sehen wir uns jetzt gar nicht mehr, außer zu den Klausuren", erzählt Jule Meyer. Die Mottowoche und Schulveranstaltungen wie das alljährliche Theaterstück der Oberstufe fallen aus oder sind auf unbestimmte Zeit verschoben. "Wir verpassen den Spaß drumherum und die Highlights am Ende der Schulzeit."

In einigen Fächern fehle zudem noch Stoff, den es nun selbst zu erarbeiten gilt. "Das ist natürlich etwas ganz anderes, als wenn unsere Lehrer uns ein Thema erklären", berichtet Florian Wagner. "Außerdem fallen nicht nur die ganze Wiederholungen weg, sondern auch die Stunden, in denen man beispielsweise noch etwas für die mündlichen Noten hätte tun können." Durch die Schließung bleiben den Lehrern neben den Vorabiturklausuren erstmals nur die sieben Wochen zwischen den Weihnachtsferien und Karneval, um die sonstige Mitarbeit der Schüler im Unterricht zu beurteilen.

"Ich halte die von der Kreisverwaltung getroffenen Maßnahmen grundsätzlich für richtig, um den Infektionsprozess zu verlangsamen und so Ältere und Vorerkrankte zu schützen", sagt Florian Wagner. Das Schulsystem sei für solche Situationen jedoch nicht ausgelegt. Schulleiterin Maj Kuchenbecker erklärt: "Technisch und aus Datenschutzgründen können wir Unterricht in Form von Videokonferenzen nicht durchführen." In der kommenden Woche wird es ein Gespräch bei der Bezirksregierung in Köln geben, bei dem sich über die Situation ausgetauscht wird.

Noch herrscht Ungewissheit darüber, wie es weitergehen wird. "Das Abitur findet in Nordrhein-Westfalen zentral statt. Im Vergleich zu anderen Schulen in anderen Kreisgebieten fehlen uns jedoch viele Stunden", sagt Florian Wagner nach Wochen ohne Unterricht.

Von Katharina Gillessen
Rheinische Post, 14.03.2020