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[ Berichte > Berichte für das Jahr 2020 > Bericht vom 23.05.2020 ]

So lief unser Corona-Abitur - Wegberger Schüler berichten

Mit drei Wochen Verspätung haben Jule Meyer und Jannik Allwicher vom Wegberger Maximilian-Kolbe-Gymnasium ihre Abiklausuren geschrieben.

Jule Meyer


Jule Meyer ist zufrieden mit ihren Abitur-Klausuren. Der Austausch in der Klasse
hat ihr beim Lernen aber in vielen Situationen gefehlt. (RP-Foto: Ruth Klapproth)

Grundsätzlich sind meine drei schriftlichen Abi-Prüfungen gut gelaufen. Die mündliche Prüfung kommt ja erst noch. Wir haben die Klausuren im Wegberger Forum geschrieben, damit genug Platz für alle war. Vor den Klausuren gab es draußen natürlich erstmal lange Schlangen, jeder musste seine Hände desinfizieren und hat einen Platz zugewiesen bekommen.

Die Phase vorher rund um die Corona-Krise war schwierig, ich persönlich fand es aber am Anfang gar nicht so schlimm. Aber beim Lernen haben sich immer wieder kleine Fragen gebildet, für die man jetzt nicht unbedingt eine Mail an den Lehrer schreiben wollte. Das wäre im Unterricht in der Klasse sicher leichter gewesen. Diese Interaktion hat mir total gefehlt. In den Vorbereitungsstunden, die wir hatten, war dann meistens gar keine Zeit für Fragen, weil es so viel Stoff war, den wir besprechen mussten.

Ich habe direkt nach Karneval mit dem Lernen angefangen. Als es dann aber unklar war, wie es mit der Schule weitergeht, habe ich es ein bisschen schleifen lassen. Als wir dann aber einen festen Termin hatten, habe ich gut gelernt, das lief ziemlich gut.

Vor dem Abitur haben viele Mitschüler gefordert, dass es statt der Klausuren ein Durchschnitts-Abi geben soll. Diese Idee fand ich zuerst richtig gut, auch wenn ich selber kein Problem damit hatte, die Klausur zu schreiben. Was mich aber richtig gestört hat: Unser Einwand wurde ja gar nicht richtig thematisiert in den Debatten, es wurde einfach unter den Tisch gekehrt. Es wird immer betont, dass Jugendliche sich mehr an der Politik beteiligen sollen. Jetzt haben Jugendliche es gemacht, und es wurde ignoriert. Dann muss man sich nicht wundern, wenn diese Politikverdrossenheit zunimmt. Unsere Lehrer haben sich aber unfassbar für uns eingesetzt und mit Nachdruck versucht, so schnell wie möglich Klarheit für uns zu bekommen. Das war wirklich ein gravierender Kontrast zu dem, was ich von Freunden an anderen Schulen gehört habe.

Ich würde nicht sagen, dass ich vor dem Abitur einen großen Druck hatte. Aber ich kann mich in andere hineinversetzen. Es wurde so oft von Risikogruppen geredet. Mein Papa ist auch schon etwas älter und gehört zur Risikogruppe. Wenn er jetzt Vorerkrankungen hätte, dann hätte mich das schon belastet, wenn ich zur Schule gemusst hätte und ihn dann potenziell anstecken könnte.

Was schade ist: Viele möchten jetzt keinen Abiball mehr. Wir hatten zum Beispiel das Angebot, unsere Entlassungsfeier im Autokino zu machen, das wollte die Mehrheit aber nicht. Ich glaube, viele haben jetzt gar keine Lust mehr darauf.

Jannik Allwicher


Jannik Allwicher sah sich bei den Prüfungen nicht unter großen Druck gesetzt.
Er ist traurig, dass all die schönen Dinge rund um das Abitur ausfallen mussten.
(RP-Foto: Ruth Klapproth)

Ich habe es sehr begrüßt, dass wir im Forum schreiben konnten. Da hatte man genug Abstand zueinander, große Tische und sogar gepolsterte Stühle. Die Atmosphäre war viel besser, als wenn wir zum Beispiel in der Turnhalle geschrieben hätten. Ich muss aber auch sagen, dass sich unsere Lehrer sehr für uns eingesetzt haben.

Eigentlich hätten wir ja noch zwei Wochen Schule gehabt, in Geschichte hätten wir noch die komplette Reihe zur neueren deutschen Geschichte, rund um die Wiedervereinigung, besprechen müssen. Das mussten wir alleine zu Hause machen, wobei wir viel Material vom Lehrer bekommen haben. In den Terminen, die wir in der Schule dann noch hatten, hat die Zeit natürlich überhaupt nicht gereicht, um alles zu besprechen. In Fächern, die man halbwegs versteht, ging das mit dem Lernen ziemlich gut. Aber zum Beispiel in Mathematik, was ich zum Glück nicht im Abi hatte – wenn ich das hätte alleine nachholen müssen, dann wäre es schwierig geworden. Ich weiß nicht, ob das letztendlich vom Schulministerium so geplant war, aber in den Abi-Klausuren ist dieser Stoff dann auch gar nicht vorgekommen.

Die Diskussion um das Durchschnittsabitur und die Absage der Prüfungen hätte ich nur unterstützt, wenn es für ganz Deutschland gezählt hätte. Ich bin davon überzeugt, dass es sonst Probleme aufgeworfen hätte. Insgesamt hatte ich das Gefühl, dass ich gut vorbereitet war und habe keine große Belastung verspürt. Es gibt bestimmt auch ein paar, die es sich zu einfach gemacht haben und dieses Argument, dass der psychische Druck zu groß ist, vorgeschoben haben.

Die größte Niederlage, die wir einstecken müssen, ist, dass uns außer­halb der Prüfungen so viel weggebrochen ist. Abistreich, Mottowoche - das sind Sachen, die man in den Erinnerungen mitnimmt. Das haben wir alles nicht mehr. Das finde ich persönlich am allerschlimmsten. Ich weiß nicht, wie realistisch es ist, dass der Abiball noch nachgeholt wird, auch wenn ich mir einen Abschluss wünschen würde. Wir haben eine tolle Stufe. Aber wahrscheinlich ist es auch der Situation geschuldet, dass wir uns ein bisschen auseinanderentwickelt haben.

Was die Zukunft angeht, musste ich mir zum Glück keine großen Sorgen machen. Ich hatte schon vor der Corona-Krise eine Stelle für ein duales Studium. Es gibt aber leider viele, deren Pläne nach der Schule total durchkreuzt wurden. Zum Beispiel, wenn sie ein Au-Pair-Jahr im Ausland machen wollten. Für die tut es mir sehr leid.

Von Christos Pasvantis
Rheinische Post, 23.05.2020