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[ Berichte > Berichte für das Jahr 2005 > Bericht vom 27.10.2005 ]

Die Ubier haben Recht behalten:
"Die spinnen doch, die Römer!"

Wergberg. Wir befinden uns im Jahre 50 nach Christus. Ganz Gallien ist von Römern besetzt Nein, das was völlig falsch. – Wir befinden uns zwar im Jahre 50 nach Christus, aber nicht in Gallien, sondern im Kaiserpalast von Rom. Hier schmiedet des Imperators Gemahlin Agrippina eifrig Pläne, wie sie ihren rheinischen Geburtsort Opidum Ubiorum – ein unscheinbares Dorf der germanischen Ubier – zu einer römischen Colonia (Stadt) machen kann. Colonia Claudia Ara Agrippinensium soll es einmal heißen, die Zustimmung des Herrn Gemahls vorausgesetzt. Heute kennt man das zu Millionenmetropole gereifte vormalige Dorf unter dem Namen Köln.

Mit enorm viel Spielfreude und bisweilen auch dem Schalk im Nacken erteilte die Römische Theater – AG des Maximilian-Kolbe-Gymnasiums ihrem Publikum eine humorvolle Lektion in antiker Geschichte. „Agrippinas Colonia oder der Kaiser unter dem Pantoffel“ lautete der Titel des Schauspiels, das sie am Freitagabend im Pädagogischen Zentrum aufführten.

„Lateinkenntnisse sind nicht erforderlich“ – dieser Hinweis ließ einige, eher modernen Sprachen zugeneigte Theaterfreunde wohl erleichtert aufatmen. Deutsch, streckenweise in formvollendeter kölscher Mundart, war die Sprache der Wahl. Die ein oder andere lateinische Redewendung konnte jedoch dankend absorbieren, wer seine alten Schulkenntnisse sozusagen ad hoc auffrischen wollte. Für Verwirrung sorgten indes die etwas undurchsichtigen Verwandtschaftsverhältnisse der julisch-claudischen Herrschaftsdynastie – ein Stammbaum auf dem Programmheft sorgte für etwas mehr Durchsicht.

Bestens informiert

Als bestens informierte Kommentatoren des Handlungsganges traten zwischen den einzelnen Bildern – neben Rom war auch das besagte Dorf am Rhein ein Schauplatz der Geschehnisse – echt kölsche Putzfrauen auf. Und die hatten erst einmal so einiges auszusetzen: „Nee, wat is dat dreckisch hier!“

Zum Inhalt: Agrippina träumt von einem „Rom am Rhein“ mit „Tempeln, Thermen und Theatern“. Dazu selbstverständlich noch ein Capitol für die Colonia und eine Kloake. Kaiser Claudius will stattdessen lieber Bonn oder Mainz die Stadtrechte verleihen, erntet dafür aber nur den Spott seiner Angetrauten. „Bonn als Stadt – das ist wirklich zu lustig.“ Nach intensiver Überzeugungsarbeit kann Agrippina doch noch ihren Willen durchsetzen. Köln wird zur Colonia erhoben, die Innereienschau der Priester anlässlich der Verleihung der Stadtrechte weist in eine rosige Zukunft: gesunde Leber, gesundes Land. Fazit: Die spinnen,    die Römer!

Unter Leitung von Christina Portz und Monika Eisenach gelang es den Schülern der sechsten bis achten Klassen, Wissenswertes und Amüsantes miteinander in Einklang zu bringen. Am Ende waren sich alle einig „Viva Colonia!“

(Erkelenzer Nachrichten vom 27.09.2005)

 

Im „Kolbe“ spinnen die Römer

WEGBERG Die vorletzte Szene ist zu Ende. Geschafft! Hinter dem dicken braunen Vorhang an der Bühne hört man gedämpfte Jubelschreie, das Abklatschen vieler Hände, erleichtertes Aufatmen und ein mahnendes: Psst! Stille - man könnte eine Stecknadel fallen hören und dann die letzten Worte des rund zweistündigen Stückes: „Also, wenn du mich fragst - die spinnen, die Römer.“ Schluss und Abgang.

Tosender Beifall als Lohn

Gespannt warten die rund 40 Schauspieler der Römischen Theater-AG des Maximilian-Kolbe-Gymnasiums auf die Reaktion des Publikums: Tosender Applaus - minutenlang. Immer wieder müssen die Schüler der Unterstufe noch einmal auf die Bühne um sich umjubeln zu lassen. Das Lampenfieber ist dahin - glücklicherweise. Über ein Jahr wurden Castings veranstaltet, an Nachmittagen geprobt und Texte für das Stück „Agrippinas Colonia oder: Der Kaiser unter dem Pantoffel“ geschrieben. Kaiserin Agrippina schmiedet eifrig Pläne um ihren Gemahl Kaiser Claudius zu überreden, ihren Geburtsort, ein Ubierdorf in Germanien, zur römischen Colonia zu erheben.

„Wir wollten zeigen, dass es auch Spaß machen kann, sich mit Latein zu beschäftigen“, sagt Lehrerin Christina Portz, die gemeinsam mit Kollegin Monika Eisenach die AG leitet. Sichtlich gerührt bedankten sich die beiden
für den engagierten Einsatz der Schüler: „Ihr habt alles gegeben. Das ist euer Abend.“ Wie es sich gehört, war die Generalprobe gehörig schief gegangen. „Gelinde gesagt: Es war eine Katastrophe.“ Mit viel Charme, gewieftem Humor, gekonnten Showeinlagen, neuzeitlicher musikalischer Untermalung und schauspielerischem Können wurden Rom, Colonia und das komplizierte Wirr-Warr in Claudius' Familie lebendig. Farbenfrohe, einfallsreiche Kostüme (übrigens in den Sommerferien geschneidert), das prächtige Bühnenbild und der Einsatz modernster Technik machten die Aufführung zu einem kurzweiligen Erlebnis. Irgendwie ist es beruhigend zu wissen, dass schon im Jahre 50 nach Christus die Finanzsekretäre immer zu wenig Geld, die Bayern schon immer ihren eigenen Kopf und Kölner schon immer die Ruhe weg hatten: „Et kütt, wie et kütt.“

Forschen am Stammbaum

Einen heißen Tipp gab es von Christina Portz übrigens auch noch: „Schauen Sie sich ruhig mal das Begleitheftchen an. Dort ist der Stammbaum von Claudius Familie abgedruckt. Wer weiß, vielleicht wird das ja mal bei Günter Jauch die Millionenfrage.“

(Rheinische Post vom 27.09.2005)