Suchtprophylaxe
Herr Markmann ist Suchtprophylaxe-Fachkraft am Maximilian-Kolbe-Gymnasium Wegberg. Im folgenden Interview geht er auf den Wettbewerb "Be Smart - Don't Start" und generell das Rauchproblem in Deutschland ein.
Janick Plate: Welche Funktion haben Sie und wie können Sie helfen?
Herr Markmann: Meine Funktion ist neben dem Unterrichten meiner Fächer EW und Kunst an dieser Schule das der Suchtprophylaxe-Fachkraft. Ich benötige dafür keine weitere Ausbildung - abgesehen von regelmäßigen Teilnahmen an Fortbildungsveranstaltungen im Kreis Heinsberg. Das Amt wurde mir von Seiten der Schulleitung angetragen und ich habe es auf freiwilliger Basis gerne übernommen, weil es mir als wichtig erscheint, bei dem Problemfeld "Drogenkonsum und -missbrauch" hier zu helfen. In meiner Funktion bin ich ein Helfer im Sinne von Beratung. Ich leiste eine indirekte Hilfe, da ich informiere, berate und vermittle. Ich leite Informationen und Kenntnisse weiter und manchmal bin ich auch Ansprechpartner für Schüler, die ratlos sind. Ich kann sie dann aber auch nur beraten und nicht therapierend auf sie einwirken, weil ich selber keine therapeutischen Kompetenzen, d.h. eine dafür vorgesehene Ausbildung habe. Ich vermittle dann den Schüler, die Schülerin an eine Beratungsstelle weiter, in der professionell ausgebildete Menschen dem Schüler helfen können.
Welche Erfahrungen haben Sie in ihrer beratenden Funktion gesammelt?
Das ist ein weites Feld; da gibt es Einzelberatungen: Schüler fragen nach, wie sie ihren Freunden helfen können, die sich plötzlich im Verhalten stark verändert haben und Drogen konsumieren. Zumeist geht es da ums kiffen. Und was besprochen wird, bleibt natürlich geheim. Das ist ja klar, denn es geht ja um Vertrauen. Und ich gehe in die 6. und 7. Klassen, um dort Informationen weiterzugeben und ein Bewusstsein für das Thema zu schaffen. Ich versuche den Schülern zu vermitteln, welche Gefahren und Probleme von Drogen ausgehen, und da ist es auch egal, ob es Tabak, Alkohol oder etwas noch Gefährdenderes ist. Was mir auch auffällt, ist, dass einige Schüler schon eine ganze Menge über das Thema wissen, dagegen sind aber auch manche unglaublich ahnungslos und absolut naiv, was das Thema angeht, und da finde ich es sehr wichtig die einen und die anderen aufzuklären.
Was glauben Sie verleitet Jugendliche dazu Drogen zu nehmen?
Dafür gibt es verschiedene Erklärungsansätze. Zunächst gibt es die Unterscheidung in biologische und psychologische Faktoren. Es gibt den Grund cool sein zu wollen und den Gruppenzwang. Dann gibt es das Genussrauchen, welches meiner Meinung nach aber bei Jugendlichen selten der Fall ist. Aber der Anfang ist meistens die Neugier auf "die erste Zigarette", aber die Erste kann unter Umständen schon zur Abhängigkeit führen, nicht körperlich, sondern vom Gefühl her, denn auch Rauchen hat eine berauschende und entspannende Funktion, die gerade beim Schulstress sehr wohltuend sein kann. Daraus kann sich sehr schnell eine Abhängigkeit entwickeln, vor allem, wenn eine Disposition (Veranlagung) dafür vorhanden ist.
Was tut man denn, wenn man in eine Abhängigkeit geraten ist?
Das ist das Problem, denn wenn eine Abhängigkeit entsteht, ist es ganz schwer wieder herauszukommen, egal um welches Suchtmittel es geht. Das Beste wäre natürlich zu sagen, ich höre von heute auf morgen auf, aber dafür ist natürlich eine starke Persönlichkeit notwenig. Man kann es sehr schlecht pauschalisieren. Es ist sehr wichtig, dass man schnell eine professionelle Hilfe findet. Und da kann ich dann zwischen Schülern und Beratungsstellen vermitteln, in der Therapeuten Wege aus der Abhängigkeit aufzeigen können. Noch mal: Der Schwerpunkt der Tätigkeit ist die Prohylaxe, also die Vorbeugung.
Inwieweit kann denn ein Projekt wie "Be Smart - Don't Start" helfen?
In der Prävention kann es schon einiges helfen, da ein bewusster Umgang mit dem Thema Rauchen erreicht wird. Wenn jemand während des Wettbewerbs einmal raucht, droht ja nicht direkt der Rausschmiss. Es geht auch vielmehr darum, ein Bewusstsein zu schaffen, weil man jede Zigarette zumindest bewusster raucht und man vorher einmal darüber nachdenkt, dass man ja eigentlich nicht rauchen darf. Selbst wenn er sie dann raucht, hat der Schüler zumindest einmal darüber nachgedacht. Und es gibt in der Klasse eine offene Auseinandersetzung mit dem Thema.
Kann der Wettbewerb alleine Erfolg haben?
Ich glaube nicht. Es müssen verschiedene Maßnahmen kombiniert werden. Wir bieten zum Beispiel die Antidrogendisco und Informationsabendende für Schüler und Eltern an in Kooperation mit dem Kommissariat Vorbeugung und einer Fachkraft der AOK Heinsberg. Auch ein Ant-Drogen-Sportturnier der SV hat es gegeben. Da wurden antialkoholische Cocktails spendiert, verbunden mit einem Info-Stand. Das sollte zu einer Institution werden.
In den Fächern Religion, Politik und Biologie wird das Thema im Unterricht besprochen. Im Fach Pädagogik ist es sogar fester Bestandteil des Curriculums. Und die Kombination mit dem Projekt kann schon mehr Erfolg haben.
Welche Rolle spielen denn die Eltern bei der Vorsorge?
Die Eltern sollten zunächst einmal über Suchtmittel und ihre Wirkungen möglichst informiert sein. Dafür sind Elternabende und Gespräche sehr wichtig. Zudem kann eine große Offenheit zwischen Schüler und Eltern sehr wichtig sein, wie auch zwischen Eltern untereinander.
Welche Verantwortung hat die Schule?
Die Schule kann in dem Fall nur vermitteln und unterstützen und kann sicher nur eine Teilverantwortung übernehmen. Die Verantwortung für das Rauchverhalten der Schüler hat meines Erachtens stärker die Elternschaft.
Dennoch hat die Schule einen erzieherischen Auftrag zu erfüllen und ist in der Pflicht, über Prophylaxe und Infos das Verhalten der Schüler zu beeinflussen im Sinne der Förderung der Persönlichkeit und der Gesundheit.
Es gibt seit dem 01.08.2005 das Rauchverbot an Schulen, inwieweit hilft das und kann es durchgesetzt werden?
Das Problem an Gesetzen ist zunächst einmal, wie sie umgesetzt werden können. Unsere Schule bemüht sich da Maßnahmen zu installieren und wir haben auch erste Schritte getan.
Welche Schritte sind das?
Wir suchen das Gespräch und wir sprechen Schüler natürlich direkt an, wenn wir sie beim Rauchen oder ähnlichem Suchtmittelmissbrauch erwischen und dann greifen klare Ordnungsmaßnahmen.
Es ist allerdings zu beobachten, dass viele Schüler, die eigentlich das Schulgelände nicht verlassen dürfen, vom Gelände gehen und dort rauchen.
Das ist natürlich eine sehr unschöne Situation, die schwer in den Griff zu bekommen ist. Wir haben keine Zäune um das, da müssen wir Lehrer natürlich bei den Hofdiensten aufpassen und auch wirklich Hinschauen und entsprechend handeln.
Das ist aber mit zwei Lehrkräften kaum möglich.
Das ist das Problem. Da wäre z.B. eine Zusammenarbeit mit städtischen Behörden wünschenswert, welche ja auch für den öffentlichen Bereich zuständig sind.
Was ist das Problem mit dem Konsum von Alkohol und Zigaretten?
Es sind beides gesellschaftlich akzeptierte Drogen, die man problemlos bekommen kann. Trotz der neuen bundesweiten Gesetze und Campagnen wird es seine Zeit brauchen, bis ein Umdenken in der Gesellschaft stattfindet, dass diese Drogen nicht mehr so absolut akzeptiert sind. Das ist ein Prozess, der wachsen muss. Suchtmittelgenuss sollte einfach nicht mehr als Normalität hingenommen werden und die Grenze zum Missbrauch dieser Stoffe ist fließend.
Inwieweit sollten Raucher in die Verantwortung genommen werden, da sie Nichtraucher belästigen und schädigen.
Ich finde das ist für die gesamte Gesellschaft ein Problem. Zunächst einmal sollten die Gesetze durchgesetzt werden und die Nichtraucher dürfen nicht länger tatenlos zusehen und deutlich machen, dass es sie stört und sich nicht zurücknehmen.
Außerdem sollte man wissen, dass der Nebenstromrauch, den Passivraucher einatmen, auch ein ernstzunehmendes Gesundheitsrisiko darstellt. Das gilt natürlich besonders auch für Kinder. Darüber sollten Eltern z.B. auch nachdenken.
(Das Interview führte Janick Plate im November 2007.)
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