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Praktische Philosophie


Wenn du einen Menschen glücklich machen willst, dann füge nichts seinen Reichtümern hinzu, sondern nimm ihm einige von seinen Wünschen.
Epikur (griechischer Philosoph, um 342-271 v. Chr.)

Glücklich ist, wer ein richtiges Urteil hat, wer mit dem Bestehenden […] zufrieden ist und an die eigenen Verhältnisse sich gern gewöhnt hat; glücklich ist der, dessen ganze Lage von seiner Vernunft gutgeheißen werden kann.
Lucius Annaeus Seneca (römischer Philosoph, um 4 v. Chr. – 65 n. Chr.)

Das Glück wohnt nicht im Besitze und im Golde, das Glücksgefühl ist in der Seele zu Hause.
Demokrit (griechischer Philosoph, um 460-371 v. Chr.)

Nur wer nicht in der Zeit, sondern in der Gegenwart lebt, ist glücklich.
Ludwig Wittgenstein (Philosoph, 1889-1951)

Glück ist kein einmaliges Gipfelerlebnis, das schnell endet, sondern ein gefühlsmäßiger Zustand, der auftritt, wenn ein Mensch die ihm eigenen Fähigkeiten frei und produktiv entfaltet. Glück ist nicht die Ekstase, nicht das Feuer des Augenblicks, sondern das, was wir erleben, wenn wir uns selbst verwirklichen.
Erich Fromm (Philosoph, 1900-1980)


 

1. Was trägt das Fach Praktische Philosophie zum Erziehungskonsens unserer Schule bei?

Nicht zuletzt durch die Schnelllebigkeit der Gegenwart hat die Orientierung an Werten eine besondere Bedeutung gewonnen. Gerade das Fach Praktische Philosophie bietet bereits ab der fünften Klasse die Möglichkeit, solche Wertorientierungen zu bieten, gleichzeitig den SchülerInnen aber auch die Möglichkeit zu eröffnen, am Aufbau der Werthaftigkeit durch eigenes Denken und eigene Einsichten beteiligt zu sein. Der Unterricht strebt dabei in vielerlei Hinsicht die Ziele an, die im Rahmen des Erziehungskonsenses unseres Schulprogramms festgelegt wurden.


1.1 Kritikfähigkeit

Gerade im Bereich der Kritikfähigkeit bietet das Fach Praktische Philosophie die Möglichkeit zur Herausbildung einer Haltung, die über die Unreflektiertheit alltäglicher Deutungen hinaus geht. Die kritische Auseinandersetzung mit zentralen Fragen des menschlichen Lebens stellen dabei eine grundlegende Bedingung solcher Reflexionen dar. Aufbauend auf der Beschäftigung mit zentralen Fragen soll den SchülerInnen die Möglichkeit gegeben werden, hinterfragend und kritisch mit Deutungen umzugehen, die ansonsten allzu leicht als selbstverständlich hingenommen werden.

Kritikfähigkeit darf dabei aber nicht einseitig auf die Kritikfähigkeit Anderem (fremden Meinungen, bestehenden Normen etc.) gegenüber verkürzt werden. Vielmehr muss Kritikfähigkeit in diesem Zusammenhang auch die Fähigkeit zur Selbstkritik beinhalten. Gemeint ist damit sowohl die Fähigkeit, eigene Ansichten und Meinungen selbst in Frage stellen zu können, als auch die Fähigkeit, eigene Ansichten und Meinungen im Diskurs mit Anderen in Frage stellen zu lassen. Damit verbunden ist zugleich immer die Bereitschaft, die eigenen Überzeugungen argumentativ zu stützen und damit im weitesten Sinne die Fähigkeit zur Selbstreflexion.

Im Rahmen des Unterrichts im Fach Praktische Philosophie wird diese Fähigkeit vor allem durch die Beschäftigung mit Fragen erreicht, die die SchülerInnen unmittelbar betreffen und bei denen sie letztlich nicht neutral bleiben können. Dabei führt die Beschäftigung mit überkommenen Antworten der Philosophie-Geschichte zum einen zum kritischen Umgang mit fremden Gedanken, die vor allem bei großen Philosophen auch eine gewisse Autorität darstellen; hier muss es das Erlebnis der SchülerInnen sein, dass auch solche Gedanken keinen unbezweifelbaren Autoritätsanspruch besitzen können. Zum anderen führt die Beschäftigung mit philosophischen Texten zum In-Frage-Stellen der eigenen Überzeugungen, die sich im Diskurs mit den historischen Antwortversuchen bewähren müssen.


1.2 Selbstverwirklichung

Verbunden mit der Kritikfähigkeit ist die Herausbildung einer Haltung, die es den SchülerInnen ermöglichen soll, den Weg zu einem Leben zu finden, in dem sie sich selbst verwirklichen können. Selbstverwirklichung wird hier vor allem verstanden als Möglichkeit des nicht-fremdbestimmten Handelns. In der Reflexion von gesellschaftlichen Zusammenhängen, ethischen Normen und daraus resultierenden Rechten und Pflichten sollen die SchülerInnen in die Lage versetzt werden, Abhängigkeiten zu erkennen, deren Quellen zu verstehen und damit sozial angemessen umzugehen. Gerade dem Faktor der sozialen Angemessenheit muss hier besondere Aufmerksamkeit gelten, weil Selbstverwirklichung nicht mit Egomanie gleichgesetzt werden darf. Gerade die Spannung zwischen Selbstverwirklichung und sozialer Verantwortung muss den SchülerInnen als sich gegenseitig beschränkendes Entscheidungsfeld deutlich werden.


1.3 Verständnis

Ziel jeder humanistischen Erziehung muss die Herausbildung von Verständnis und Empathiefähigkeit sein. Gerade die argumentative Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Standpunkten, die im Rahmen des Philosophie-Unterrichts eine zentrale Rolle spielt, soll die Ausbildung solcher Sozialkompetenzen bei den SchülerInnen ermöglichen. Toleranz gegenüber fremden Ansichten muss dabei gleichsam stetig einzufordernde Bedingung argumentativer Auseinandersetzungen als auch deren Ziel sein.


1.4 Verantwortung und Zivilcourage

Eine zentrale Einsicht, die im Rahmen des Praktische-Philosophie-Unterrichts vermittelt werden sollte, ist die Einsicht in die (soziale) Verantwortung, die mit Erkenntnissen verbunden ist. Erkenntnisse dürfen keine bloß theoretischen Bedeutung haben, sondern müssen immer auch mit dem Willen verbunden sein, praktische Konsequenzen aus ihnen zu ziehen. Dem Unterricht kann es dabei natürlich nicht um die Vermittlung eines "richtigen" Handelns gehen, sondern um die eines "folgerichtigen" Handelns: ein Bewusstsein bei den SchülerInnen, dass Erkenntnis zugleich Verantwortung für die Folgen dieser Erkenntnis bedeutet. Das Eintreten für die eigenen (argumentativ fundierten) Überzeugungen sollte für die SchülerInnen als Wert erfahrbar werden. Nicht zuletzt im argumentativen Diskurs, in denen SchülerInnen gegenüber ihren MitschülerInnen ebensolche Überzeugungen im Philosophie-Unterricht vertreten sollen, kann eine solche Haltung unterstützt werden. Zugleich kann hier auch die Grundlage für Zivilcourage gelegt werden, indem die SchülerInnen lernen, auch Minderheitenmeinungen oder unbeliebte Überzeugungen zu vertreten.


 

2. Inhalte des Faches

Nach Kant (bedeutender Philosoph, 1724-1804) gibt es drei Grundfragen der Philosophie, welche in eine vierte münden:

  1. Was kann ich wissen?

  2. Was soll ich tun?

  3. Was darf ich hoffen?
     

  4. Was ist der Mensch?

Das Fach "Praktische Philosophie" befasst sich mit der Disziplin der Ethik (Grundfrage: Was soll ich tun?) und umfasst sieben Fragen- bzw. Themenkreise aus diesem Bereich:

  1. Die Frage nach dem Selbst

  2. Die Frage nach dem Anderen

  3. Die Frage nach dem guten Handeln

  4. Die Frage nach Recht, Staat und Wirtschaft

  5. Die Frage nach Natur und Technik

  6. Die Frage nach Wahrheit, Wirklichkeit und Medien und

  7. Die Frage nach Ursprung, Zukunft und Sinn

Das Fach Praktische Philosophie wurde an unserer Schule seit 2002 als Schulversuch unterrichtet. Mit dem Beschluss der Schulkonferenz vom 04.11.2003 wurde es zum Schuljahr 2003/04 verbindlich als ordentliches Unterrichtsfach eingerichtet. Seit 2008/09 wird der Unterricht ab der Klasse 8 erteilt, seit 2010/11 ab Klasse 5; damit durchgängig in der Sekundarstufe I. Es wird zwei Stunden pro Woche unterrichtet; die erteilten Noten sind versetzungsrelevant.

Die SchülerInnen, die nicht an einem konfessionellen Religionsunterricht teilnehmen, sind zur Teilnahme am Unterricht in "Praktischer Philosophie" verpflichtet. Dies betrifft vor allem SchülerInnen, welche eine andere Konfession besitzen, aber auch diejenigen, welche das Fach Religion aus Gewissensgründen nicht mehr belegen. Mit diesem Fach wird diesen SchülerInnen die Möglichkeit geboten, eine Werteorientierung zu erhalten. Es geht darum, vom Sehen, Beobachten und Staunen über das Kennenlernen, Unterscheiden und Sichten zur eigenen Beurteilungs- und Handlungsfähigkeit zu gelangen.


 

3. Was wir uns wünschen


3.1 Ausstattung des Faches

Als Fachbuch ist das Werk "philopraktisch" aus dem Buchner-Verlag eingeführt. Dieses ist in ausreichender Stückzahl für die Klasse 9/10 vorhanden ("philopraktisch 3").

Für die Klassenstufen 5/6 ("philopraktisch 1") muss es noch angeschafft werden, ebenso für die Klassenstufen 7/8 ("philopraktisch 2" - dieses erscheint erst in Kürze).


3.2 Zusammenarbeit der FachkollegInnen

Aufgrund der Bücher-Situation (lediglich für die Jgst.9 ist das Lehrwerk vorhanden; für die Jgst. 5/6 ist es beantragt; für die Jgst. 7/8 noch nicht erschienen) hat die Fachkonferenz beschlossen, dass sich die Kollegen, welche in der Doppel- bzw. Dreifachjahrgangsstufe unterrichten, zusammensetzen und ihre Themen/Inhalte sowie Materialien austauschen und evaluieren, sodass für die nächsten Kollegen ein (tabellarischer) Ideenpool entsteht, welcher fortwährend evaluiert werden soll. Wenn die Bücherreihe vollständig vorhanden ist, scheinen Themenabsprachen auf Basis der Kapitel-Zuordnungen sinnvoll zu werden.


 

4. Evaluation

Die Evaluation der Unterrichtsarbeit geschieht vorrangig im Rahmen der Fachkonferenzen. Vor allem Curriculumsrevisionen, Rückmeldungen über die Eignung des Lehrwerke und Entscheidungen über die Einführung neuer Lehrwerke sind Gegenstände der Fachkonferenzen.

Zudem stellt auch die informelle Verständigung zwischen den KollegInnen eine wichtige Form der Evaluation dar. Durch den Wunsch nach einer intensiven Zusammenarbeit der KollegInnen untereinander wird diese Form der Evaluation über eine punktuelle Verständigung weit hinaus gehen.

Wünschenswert erscheint schließlich auch die Einbeziehung von SchülerInnen in den Evaluationsprozess. Hier werden noch geeignete Verfahren zu suchen sein.


(in der Fachkonferenz vom 14.09.2010 verabschiedete Fassung)