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Philosophie


1. Was trägt das Fach Philosophie zum Erziehungskonsens unserer Schule bei?

Nicht zuletzt durch die Schnelllebigkeit der Gegenwart hat die Orientierung an Werten eine besondere Bedeutung gewonnen. Gerade das Fach Philosophie bietet hier die Möglichkeit, solche Wertorientierungen zu bieten, gleichzeitig den SchülerInnen aber auch die Möglichkeit zu eröffnen, am Aufbau der Werthaftigkeit durch eigenes Denken und eigene Einsichten beteiligt zu sein. Der Philosophie-Unterricht strebt dabei in vielerlei Hinsicht die Ziele an, die im Rahmen des Erziehungskonsenses unseres Schulprogramms festgelegt wurden.


1.1 Kritikfähigkeit

Gerade im Bereich der Kritikfähigkeit bietet das Fach Philosophie die Möglichkeit zur Herausbildung einer Haltung, die über die Unreflektiertheit alltäglicher Deutungen hinaus geht. Die kritische Auseinandersetzung mit zentralen Fragen des menschlichen Lebens (ethische Normen, Sicherheit von Erkenntnissen, Selbstdeutung des Menschen) stellen dabei eine grundlegende Bedingung solcher Reflexionen dar. Aufbauend auf der Beschäftigung mit diesen zentralen Fragen soll den SchülerInnen die Möglichkeit gegeben werden, hinterfragend und kritisch mit Deutungen umzugehen, die ansonsten allzu leicht als selbstverständlich hingenommen werden.

Kritikfähigkeit darf dabei aber nicht einseitig auf die Kritikfähigkeit Anderem (fremden Meinungen, bestehenden Normen etc.) gegenüber verkürzt werden. Vielmehr muss Kritikfähigkeit in diesem Zusammenhang auch die Fähigkeit zur Selbstkritik beinhalten. Gemeint ist damit sowohl die Fähigkeit, eigene Ansichten und Meinungen selbst in Frage stellen zu können, als auch die Fähigkeit, eigene Ansichten und Meinungen im Diskurs mit Anderen in Frage stellen zu lassen. Damit verbunden ist zugleich immer die Bereitschaft, die eigenen Überzeugungen argumentativ zu stützen und damit im weitesten Sinne die Fähigkeit zur Selbstreflexion.

Im Rahmen des Philosophie-Unterrichts wird diese Fähigkeit vor allem durch die Beschäftigung mit Fragen erreicht, die die SchülerInnen unmittelbar betreffen und bei denen sie letztlich nicht neutral bleiben können. Dabei führt die Beschäftigung mit überkommenen Antworten der Philosophie-Geschichte zum einen zum kritischen Umgang mit fremden Gedanken, die vor allem bei großen Philosophen auch eine gewisse Autorität darstellen; hier muss es das Erlebnis der SchülerInnen sein, dass auch solche Gedanken keinen unbezweifelbaren Autoritätsanspruch besitzen können. Zum anderen führt die Beschäftigung mit philosophischen Texten zum In-Frage-Stellen der eigenen Überzeugungen, die sich im Diskurs mit den historischen Antwortversuchen bewähren müssen.


1.2 Selbstverwirklichung

Verbunden mit der Kritikfähigkeit ist die Herausbildung einer Haltung, die es den SchülerInnen ermöglichen soll, den Weg zu einem Leben zu finden, in dem sie sich selbst verwirklichen können. Selbstverwirklichung wird hier vor allem verstanden als Möglichkeit des nicht-fremdbestimmten Handelns. In der Reflexion von gesellschaftlichen Zusammenhängen, ethischen Normen und daraus resultierenden Rechten und Pflichten sollen die SchülerInnen in die Lage versetzt werden, Abhängigkeiten zu erkennen, deren Quellen zu verstehen und damit sozial angemessen umzugehen. Gerade dem Faktor der sozialen Angemessenheit muss hier besondere Aufmerksamkeit gelten, weil Selbstverwirklichung nicht mit Egomanie gleichgesetzt werden darf. Gerade die Spannung zwischen Selbstverwirklichung und sozialer Verantwortung muss den SchülerInnen als sich gegenseitig beschränkendes Entscheidungsfeld deutlich werden.

Gerade durch die Beschäftigung mit den Disziplinen der Anthropologie (hier insbesondere auch der Existentialismus), der Ethik und der Rechtsphilosophie schafft der Philosophie-Unterricht die Grundlagen für die SchülerInnen, einen je eigenen Weg in diesem Spannungsfeld zu finden.


1.3 Verständnis

Ziel jeder humanistischen Erziehung muss die Herausbildung von Verständnis und Empathiefähigkeit sein. Gerade die argumentative Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Standpunkten, die im Rahmen des Philosophie-Unterrichts eine zentrale Rolle spielt, soll die Ausbildung solcher Sozialkompetenzen bei den SchülerInnen ermöglichen. Toleranz gegenüber fremden Ansichten muss dabei gleichsam stetig einzufordernde Bedingung argumentativer Auseinandersetzungen als auch deren Ziel sein.


1.4 Verantwortung und Zivilcourage

Eine zentrale Einsicht, die im Rahmen des Philosophie-Unterrichts vermittelt werden sollte, ist die Einsicht in die (soziale) Verantwortung, die mit Erkenntnissen verbunden ist. Erkenntnisse dürfen keine bloß theoretischen Bedeutung haben, sondern müssen immer auch mit dem Willen verbunden sein, praktische Konsequenzen aus ihnen zu ziehen. Dem Philosophie-Unterricht kann es dabei natürlich nicht um die Vermittlung eines "richtigen" Handelns gehen, sondern um die eines "folgerichtigen" Handelns: ein Bewusstsein bei den SchülerInnen, dass Erkenntnis zugleich Verantwortung für die Folgen dieser Erkenntnis bedeutet. Das Eintreten für die eigenen (argumentativ fundierten) Überzeugungen sollte für die SchülerInnen als Wert erfahrbar werden. Nicht zuletzt im argumentativen Diskurs, in denen SchülerInnen gegenüber ihren MitschülerInnen ebensolche Überzeugungen im Philosophie-Unterricht vertreten sollen, kann eine solche Haltung unterstützt werden. Zugleich kann hier auch die Grundlage für Zivilcourage gelegt werden, indem die SchülerInnen lernen, auch Minderheitenmeinungen oder unbeliebte Überzeugungen zu vertreten.


 

2. Schwerpunkte des Faches

Ausgehend von den Vorschriften des Lehrplans Philosophie ist die Arbeit im Fach Philosophie an unserer Schule in Halbjahreskursen organisiert. Die einzelnen Halbjahreskurse sind nicht als für sich geschlossene Einheiten zu verstehen, da die Einzelthemen immer wieder auch Verbindungen untereinander besitzen. So resultieren etwa ethische Fragestellungen direkt aus der Frage nach dem, was den Menschen ausmacht usw.

Aufgrund der Erfahrungen, nach dem die Philosophie-Kurse der Oberstufe großen Veränderungen unterliegen, wodurch immer wieder Kurse zusammengelegt oder gemischt werden, hat es sich als dienlich erwiesen, die Freiheiten des Lehrplans nach Abstimmung innerhalb der Fachschaft auf ein festes Themenspektrum hin zu beschränken.


2.1 Philosophie-Kurs E.I - Einführungskurs

Der Einführungskurs im ersten Halbjahr der Jahrgangsstufe E.I soll die SchülerInnen mit den Grundlagen des Faches vertraut machen. Dazu gehört eine Orientierung über die zentralen Fragestellungen des Faches gleichermaßen wie zentrale Methoden philosophischen Denkens. Insofern soll der Einführungskurs die Grundlage für die weitere Arbeit im Fach Philosophie der Oberstufe legen.


2.2 Philosophie-Kurs E.II - Anthropologie

Die Frage nach dem Wesen des Menschen steht im Zentrum der Jahrgangsstufe E.II. Den SchülerInnen soll eine Orientierung darüber vermittelt werden, was den Menschen ausmacht, welche Wesenszüge und Charakteristika festgestellt werden können. Dabei sucht die Anthropologie nicht nach einer theoretischen Erkenntnis, sondern zentral bleibt stets die Selbstorientierung des Menschen und daraus resultierend die Ausrichtung des eigenen Handelns. Den SchülerInnen soll in der Auseinandersetzung mit philosophie-historischen Positionen, die von der Antike (Mythos, Platon usw.) bis zur Neuzeit (Gehlen, Sartre) reichen, zudem ein Weg zur Bestimmung des eigenen Selbst geboten werden.


2.3 Philosophie-Kurs Q1.I - Ethik

Werteorientierung ist unabdingbar verbunden mit Fragen der Ethik und der Moral. Dieser Fragestellung widmet sich auch die Philosophie. In einem Halbjahreskurs soll den SchülerInnen die Möglichkeit geboten werden, sich mit unterschiedlichen ethischen Standpunkten auseinander zu setzen. Dabei soll den SchülerInnen klar werden, dass eine eigene ethische Orientierung unumgänglich ist, nicht zuletzt auch aufgrund der sozialen Verwurzeltheit jedes Menschen. Neben Argumentationsmodellen für ethische Standpunkte soll der Ethik-Kurs auch eine Orientierung der SchülerInnen bei der Suche nach der Ausrichtung ihres eigenen Lebens bieten.


2.4 Philosophie-Kurs Q1.II - Rechts- und Staatsphilosophie

Gerade das soziale Zusammenleben der Menschen erfordert die Einführung von Regeln, die sich letztlich in unseren Gesetzen und in Staatsformen widerspiegeln. Diese Regeln sind jedoch nicht vor jeder Setzung durch den Menschen festgelegt. Erst der Mensch verschafft so den Regeln Gültigkeit - und sie müssen sich letztlich auch argumentativ rechtfertigen lassen. Zudem erscheint auch die Vereinbarkeit bestimmter Rechte schwierig: Wie lassen sich etwa Freiheit und Gleichheit miteinander verbinden, wenn die Forderung nach Gleichheit zugleich eine Einschränkung der Freiheit bedeutet und die Forderung nach Freiheit der Aufgabe des Strebens nach Gleichheit entspricht. Den SchülerInnen soll diese Problematik bewusst gemacht werden, um ihnen einen eigenen Standpunkt hinsichtlich solcher Fragen zu ermöglichen.


2.5 Philosophie-Kurs Q2.I - Erkenntnistheorie

Eine weitere zentrale Fragestellung der Philosophie ist Gegenstand des Kurshalbjahres Q2.I: Die Frage nach der Sicherheit von Erkenntnissen. Hier soll es den SchülerInnen nicht nur ermöglicht werden, die oftmals unreflektierten Deutungen des Alltags zu übersteigen. Vielmehr sollen gerade die Grenzen des Erkennbaren, die Grenzen unseres Wissens gesucht und Strukturen der Erkenntnis thematisiert werden, wodurch den SchülerInnen zugleich eine Relativierung der oftmals von den Wissenschaften behaupteten Objektivität und Gewissheit von Erkenntnissen ermöglicht wird. Damit verbunden ist auch immer die Thematisierung der ethischen Verantwortung, die aus Erkenntnissen resultiert.


2.6 Philosophie-Kurs Q2.II - Freie Themenwahl

Für den Halbjahreskurs Q2.II stehen verschiedene Themen zur Auswahl, die je nach Interesse der SchülerInnen gewählt werden können. Dazu gehören:

  • Geschichtsphilosophie

  • Kulturphilosophie

  • Logik

  • Metaphysik

  • Naturphilosophie

  • Philosophische Ästhetik und Kunstheorie

  • Religionsphilosophie

  • Sprachphilosophie

  • Technikphilosophie

Die Beschäftigung mit diesen Themen erfordert als Grundlage einerseits eine Sicherheit im Umgang mit philosophischen Methoden und Argumentationen, andererseits aber auch oftmals Kenntnisse in philosophischen Disziplinen, die in den vorausgegangenen Kurshalbjahren erworben wurden. Aus diesem Grund empfiehlt sich die Thematisierung dieser Arbeitsbereiche erst in der Jahrgangsstufe Q2.II. Die spezielleren Themen dieses Halbjahres erlauben zusätzlich eine Orientierung der SchülerInnen in Richtung der wissenschaftlichen Philosophie, wodurch der Forderung der Richtlinien nach einer wissenschaftspropädeutischen Ausbildung der SchülerInnen nochmals explizit nachgekommen wird.


 

3. Was wir uns wünschen

3.1 Ausstattung des Faches

Insbesondere auf der Ausstattung des Faches mit Lehrbüchern liegt ein besonderer Schwerpunkt. Das eingeführte Lehrbuch "Zugänge zur Philosophie - Band 1" des Cornelsen-Verlags ist derzeit noch in unzureichender Stückzahl vorhanden, so dass eine flächendeckende Arbeit mit dem Lehrbuch nicht möglich ist. Eine Aufstockung der bestehenden Exemplaranzahl ist erforderlich und wird in Kürze über Frau Keil bestellt.

Für die Jahrgangsstufe 10 ist vom gleichen Verlag das Werk "Zugänge zur Philosophie. Einführungsband" eingeführt und in ausreichender Anzahl bestellt worden.

Ebenso sind Exemplare des Lehrbuchs "Zugänge zur Philosophie - Band 2", das vor allem für die Jahrgangsstufe Q2 genutzt werden kann, in ausreichender Anzahl vorhanden.


3.2 Zusammenarbeit der FachkollegInnen

Erfahrungsgemäß unterliegen die Philosophie-Kurse der Oberstufe großen Veränderungen, wodurch immer wieder Kurse zusammengelegt oder gemischt werden. Insbesondere mit Blick auf das Abitur besteht hier die Notwendigkeit einer inhaltlichen Übereinstimmung der Parallelkurse. Aus diesem Grund existiert innerhalb der Fachkonferenz der Wunsch nach einer intensiven Zusammenarbeit der KollegInnen untereinander, wodurch die Planung der Halbjahreskurse erleichtert wird.

Darüber hinaus erscheint eine intensive Zusammenarbeit mit den KollegInnen wünschenswert, die das Fach Philosophie sowie Praktische Philosophie unterrichten. Auf diese Weise kann die Arbeit des Faches Philosophie stärker auf die Vorkenntnisse der SchülerInnen hin differenziert werden, die bereits ab der Jahrgangsstufe 5 mit dem verwandten Fach Praktische Philosophie Erfahrungen gesammelt haben. Eine solche Zusammenarbeit wird zum Teil schon durch personale Überschneidungen zwischen den beiden Fächern erleichtert.


 

4. Evaluation

Die Evaluation der Unterrichtsarbeit geschieht vorrangig im Rahmen der Fachkonferenzen. Vor allem Curriculumsrevisionen, Rückmeldungen über die Eignung des Lehrwerke und Entscheidungen über die Einführung neuer Lehrwerke sind Gegenstände der Fachkonferenzen.

Zudem stellt auch die informelle Verständigung zwischen den KollegInnen eine wichtige Form der Evaluation dar. Durch den Wunsch nach einer intensiven Zusammenarbeit der KollegInnen untereinander wird diese Form der Evaluation über eine punktuelle Verständigung weit hinaus gehen.

Wünschenswert erscheint schließlich auch die Einbeziehung von SchülerInnen in den Evaluationsprozess. Hier werden noch geeignete Verfahren zu suchen sein.


(in der Fachkonferenz vom 14.09.2010 verabschiedete Fassung)