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Informatik

Nahezu täglich geistert der Begriff "Informatik" durch die Medien. Sei es in Artikeln über IT-Technologie, green-cards oder Zukunftschancen, immer wieder taucht der Begriff auf. Fast immer hat man allerdings den Eindruck, dass der Autor des betreffenden Textes allenfalls eine diffuse Vorstellung davon hat, was Informatik eigentlich ist. Leider teilt er dieses Manko mit einer ganzen Reihe von Schülerinnen und Schülern unserer Schule, auch mit solchen, die z.B. das Fach Informatik in der Oberstufe wählen wollen.

Es stellt sich also die Frage: "Was ist eigentlich Informatik?". Wie oft in solchen Fällen ist es sicherlich nicht verkehrt sich das Wort selbst etwas näher anzuschauen. Das Wort "Informatik" ist aus den Bestandteilen "Information" und "Automat(ik)" zusammengesetzt. Dieses Kunstwort kam in Deutschland Ende der Fünfzigerjahre auf und ging im Jahre 1967 in den allgemeinen Sprachgebrauch über. Seit diesem Jahr wird Forschung und Lehre unter diesem Begriff an deutschen Hochschulen betrieben. Die entsprechende Bezeichnung in Frankreich lautet "informatique" und man erkennt sofort die gleiche Wurzel, während man in den angelsächsischen Ländern von "computer science" spricht. Letzteres beschreibt jedoch das Wesen der Informatik nur sehr unzureichend, denn Informatik ist nicht nur eine "Computerwissenschaft" sondern (laut Duden) "die Wissenschaft von der systematischen Verarbeitung von Informationen".

Damit ist wenigstens schon einmal klar, was Informatik nicht ist, nämlich eine Naturwissenschaft, denn die Informatik beschäftigt sich weder mit dem Aufbau und der Umwandlung von Materie noch mit Kräften oder energetischen Prozessen. Ihr Gegenstand ist - wie schon gesagt - die Information, also immaterieller, d.h. geistiger Natur. In diesem Sinne ist Informatik eine Geisteswissenschaft, allerdings eine, die sich streng formaler logischer und mathematischer Hilfsmittel bedient. Ein wesentliches Element der Informatik ist die Erarbeitung theoretischer Begriffe, Denkmethoden und Einsichten über Algorithmen, über deren Eigenschaften, Möglichkeiten und Grenzen, und damit über die Möglichkeiten rationalen Denkens überhaupt. Insofern stellt sich die Informatik auch beim Anlegen eines strengeren wissenschaftstheoretischen Maßstabs als Wissenschaft a priori dar.

In diesem Sinne steht auch die Rechtfertigung der Informatik als eigenständiges Fach an den allgemeinbildenden Schulen außerhalb jeder Diskussion und nicht etwa nur deshalb, weil die IT-Branche mit der Politik im Schlepptau sich zu einem gewissen Zeitpunkt Sorgen um ihren Nachwuchs macht.

Üblicherweise gliedert man die Informatik in die drei Bereiche:

  • praktische Informatik

  • technische Informatik und

  • theoretische Informatik.

In der praktischen Informatik geht es im wesentlichen um Software, genauer um das systematische Konstruieren von Algorithmen zur Lösung vorgegebener Probleme und ihrer Formulierung in einer sogenannten höheren Programmiersprache. Dabei bleibt zunächst offen, ob man sich dabei eines imperativen, objektorientierten, wissensbasierten oder funktionalen Ansatzes bedient.

In der technischen Informatik befasst man sich demgegenüber mit der Hardware, also mit dem funktionellen Aufbau von Computern und den zugehörigen Geräten sowie mit dem logischen Entwurf von Schaltungen.

In der theoretischen Informatik schließlich geht es sehr häufig um Fragen der Effizienz und der Machbarkeit. Wo liegen die prinzipiellen Grenzen einzelner Algorithmen, bestimmter Bauteile oder auch der technischen Informationsverarbeitung überhaupt. Mit zunehmender Komplexität sowohl der Hard-, als auch der Software kommt diesem Bereich über das an sich schon sehr interessante, rein philosophische Interesse hinaus auch eine zunehmende praktische Bedeutung zu. Untersuchungen von Fragestellungen dieser Art ergeben eine enge Verwandtschaft der theoretischen Informatik mit der "modernen" strukturellen Mathematik.

Interessant ist darüber hinaus die Verzahnung der Informatik mit Disziplinen, bei denen es schon eines zweiten Blicks bedarf, um die Kontaktflächen zu erkennen. Dies manifestiert sich nicht zuletzt in entsprechenden Studiengängen wie Medizininformatik, Wirtschaftsinformatik, Medieninformatik, usw.

Alle gerade gemachten Überlegungen gehen in die Richtlinien und damit in die tägliche Unterrichtspraxis im Fach Informatik ein, und zwar nicht nur in den Oberstufenunterricht im Fach Informatik, sondern auch in den Differenzierungsbereich Mathematik / Informatik in der Sekundarstufe I.

Dabei kann es im Fach Informatik sicherlich in besonderer Weise gelingen, die Aufgaben und Ziele des gymnasialen Bildungsauftrags zu realisieren und die Anforderungen an Unterrichtsgestaltung und Lernorganisation, wie sie in den Richtlinien gestellt werden, zu erfüllen.

Im Bereich der praktischen Informatik werden Einblicke in verschiedene Ansätze gegeben, wobei im Bereich der Sekundarstufe II der objektorientierte Ansatz in der Programmiersprache Java im Vordergrund steht.