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20 Jahre Schule und Verein - eine schwimmsportliche Erfolgsbilanz

Alles begann im Februar 1980, als ich vom Schulkollegium Düsseldorf dem Städtischen Gymnasium Wegberg zugewiesen wurde. Angetan von der netten Schülerschaft und den guten Sportanlagen wollte ich die vielen positiven Erfahrungen, die mir der Schwimmsport persönlich gebracht hatte, an die junge Generation weitergeben. Meine Vision war, junge Menschen an den Wettkampfsport heranzuführen und ihnen dabei zu helfen, ihre persönliche Leistungsgrenze zu erfahren und zu verbessern. Dies sollte allerdings stets im Einklang mit den schulischen Belangen geschehen, sodass ein ständiger Austausch zwischen Sportler, Elternhaus und Lehrer/Trainer eingeplant war.

Schon bald kam es zur Einrichtung der ersten Arbeitsgemeinschaft im Schwimmen, für die sich auf Anhieb zahlreiche Mädchen und Jungen meldeten. Drei Namen fallen mir auf Anhieb ein, wenn ich mich daran erinnere: Jörg Padtberg, Jürgen König und Thomas Böttger. Diese drei bedrängten mich ständig, doch einmal zu den Schwimm-Übungsstunden des TuS Wegberg zu kommen, was ich dann auch tat. Dies war im Grunde genommen der Auslöser für eine zwei Jahrzehnte andauernde erfolgreiche Zusammenarbeit von Schule und Verein.

Wie aus dem Nichts tauchten eines Tages drei Mädchen und ein Junge namens Pistel in der Schwimm-AG auf: Karin-Frauke, Kaja-Winke, Karen-Anke und Kai-Eckart. Sofort war mir klar, dass ich es mit sportlichen Talenten zu tun hatte, doch es kostete mich erhebliche Mühe, Mutter Pistel davon zu überzeugen, ihre Kinder zusätzlich im Verein anzumelden. Letztendlich wurde meine Hartnäckigkeit belohnt und die Pistel-Family wurde zu einem wichtigen Eckpfeiler in dem sich gerade im Entstehen befindenden Unternehmen "Schule und Verein" der 80-er Jahre.

Nach und nach wurde das Training verstärkt, neben den Schwimm-Arbeitsgemeinschaften wurden mehrere Schülersportgemeinschaften eingerichtet. Die Resonanz war prächtig! Angespornt durch die sich nun rasch einstellenden sportlichen Erfolge auf Schul- und Vereinsebene nahmen zeitweise bis zu 50 Mädchen und Jungen an den Trainingsterminen teil. Dies war für eine einzelne Person organisatorisch einfach nicht mehr zu leisten und so überredete ich meinen sportbegeisterten Kollegen Hans-Joachim Klemm, bei der Betreuung der Schwimmer mitzuhelfen. Außerdem wurden auch die Eltern einzelner Schwimmer für die Mitarbeit gewonnen, und ältere Schüler, die nicht so viel trainieren wollten, halfen am Beckenrand als Übungsleiter mit.

Der Durchbruch auf Schulebene ist gleichzusetzen mit dem ersten, zu diesem Zeitpunkt völlig überraschenden Sieg einer Schwimmmannschaft unseres Gymnasiums bei den Kreismeisterschaften der Schulen. Zum ersten Mal gelang es, das damals in sportlicher Hinsicht schier übermächtige Cusanus-Gymnasium auf Platz zwei zu verweisen. Es folgten nun mehrere Jahre sportlicher Glanzleistungen und unsere Schule wurde zur "Hochburg des Schwimmsports" im Kreis Heinsberg. Einen Höhepunkt gab es im Jahre 1984, als unsere Mädchen und Jungen beim Kreisschulsportfest von acht möglichen Mannschafts-Titeln sage und schreibe sieben nach Wegberg holten; zusätzlich gab es noch einen zweiten Platz. Ein Jahr später qualifizierte sich eine Mädchen-Mannschaft für das Finale des Landes Nordrhein-Westfalen, bei dem sie einen achtbaren vorderen Platz belegen konnte.

Diese Erfolgsbilanz setzte sich auf Vereinsebene in ungeahnter Weise fort. Kaja-Winke Pistel und Elmar Engels qualifizierten sich als erste Wegberger Schwimmer für die Westdeutschen Meisterschaften, bei denen Kaja-Winke die Silbermedaille erkämpfte. Zusammen mit ihrer Schwester Karin-Frauke wurde sie zusätzlich Deutsche Jugendmeisterin in der Jugendklasse A bzw. B im Schwimm-Fünfkampf des Deutschen Turnerbundes. Darüber hinaus gelang ihr dann auch noch die Qualifikation für die Meisterschaften des Deutschen Schwimmverbandes.

Auch in der Breite gab es nun erhebliches Potenzial. Bei den Bezirksmeisterschaften in Jülich (1987) waren die Wegberger Schwimmer mit 20 Gold-, 15 Silber- und 5 Bronzemedaillen der erfolgreichste Verein. Neben den Pistels waren u.a. die Lewandowski-Brüder Wolfgang und Claus, Josef Timmermans und Thomas Böttger die Medaillenjäger. Diese Leistungen brachten uns weit über die Grenzen Wegbergs hinaus höchste Anerkennung ein.

Nach einer schöpferischen Pause - die Pistel-Ära war vorüber - wurde im Jahre 1993 mit der Gründung der "Freien Schwimmer Wegberg" ein neues Kapitel aufgeschlagen. Drei ehemalige Schüler waren mit dabei, als es um die Zusammensetzung des Vorstandes ging: Die ehemaligen Quintaner Thomas Böttger und Jürgen König sowie Claus Lewandowski. Durch das jahrelange enge Zusammenwirken auf sportlicher Ebene waren aus dem Lehrer-Schüler-Verhältnis Freundschaften entstanden, zum Wohle der nachfolgenden Generation.

Die Nachwuchsarbeit wurde erneut intensiviert, Talentsichtungsmaßnahmen in Angriff genommen, die bereits bestehende Zusammenarbeit mit den Grundschulen (Nikolausschwimmen) fortgesetzt. Erste Früchte zeigten sich bereits ein Jahr später.

Der landesweit neu ins Leben gerufene Vielseitigkeitswettbewerb im Rahmen des Programms "Jugend trainiert für Olympia" wurde von unseren Schülerinnen und Schülern mit deutlichem Vorsprung gewonnen, ein Kunststück, das ihnen weitere sechs Mal in Folge, also von 1994 - 2000, gelang. Diese Leistung ist in ganz Nordrhein-Westfalen einmalig!

Fortan kamen neue Namen ins Gespräch. Da waren die drei Mädchen des Geburtsjahrgangs 1982: Chantal Weyers, Eva Scheulen und Lisa Stroms. Sie sorgten zusammen mit Jana Schneider, Sandra Maaßen, Roland Thimister, Philipp Schneider, Martin Humml und Sven Gerards - um nur die überragenden Leistungsträger zu nennen - auf Schul- und Vereinsebene für Furore. So wurde das Jahr 1986 ein überaus erfolgreiches, konnten sich doch gleich zwei Mannschaften des Maximilian-Kolbe-Gymnasiums für das Landesfinale der weiterführenden Schulen in Dortmund qualifizieren, nachdem es bei den Kreismeisterschaften wieder einmal sechs Mannschaftstitel gegeben hatte. Eine Medaillenflut regnete es bei den Bezirksmeisterschaften in Aachen: 35 Mal standen "Freie Schwimmer" und damit Schüler unseres Gymnasiums auf dem Siegertreppchen; bei den Langstreckenmeisterschaften wurden sie sogar als beste Mannschaft ausgezeichnet.

Als ein Jahr später wieder sechs Kreistitel auf Schulebene fällig waren und Lisa Stroms und Sven Gerards sich auch noch für die Westdeutschen Meisterschaften qualifiziert hatten, gab es eine hohe Auszeichnung für unsere Schule. In Anerkennung der großen Verdienste um den Schwimmsport (Zusammenarbeit von Schule und Verein) und der daraus resultierenden Erfolge der letzten Jahre wurde uns die Ehrentafel des Westdeutschen Schwimmverbandes nach 1989 zum zweiten Mal überreicht und als hätte diese Ehrung unsere Athleten zusätzlich angespornt, erzielten sie in den Jahren 1998-2000 noch einmal Top-Leistungen. Unsere Mädchenmannschaft konnte sich wiederum fur das Landesfinale qualifizieren, bei dem Platz 5 erschwommen wurde; der FSW holte 57 Medaillen(!) bei den Bezirksmeisterschaften und Sven Gerards belegte einen hervorragenden Platz bei den Deutschen Meisterschaften in Regensburg (alles 1998). Als krönender Abschluss gelang der Mädchen-Mannschaft im Jahre 2000 der große Wurf: Sie wurde Landesbeste der Wettkampfklasse I in Nordrhein-Westfalen und verwies damit die im Ruhrgebiet ansässigen Gymnasien, die allesamt mit großen Leistungszentren kooperieren, auf die Plätze!

Dass diese Erfolge bei unserer Schülerschaft durchaus Anerkennung fanden, zeigte sich während des Geschichtsunterrichts in einer 6. Klasse. Als die Olympischen Spiele im alten Griechenland thematisiert wurden und die Lehrerin fragte, bei welcher Sportart Schülerinnen und Schüler ihrer Schule wohl einmal als aktive Teilnehmer/innen bei der Olympiade auftreten könnten, war die einhellige Meinung: beim Schwimmen!

Nun gut, die Teilnahme an Olympischen Spielen blieb uns bisher versagt, doch können wir stolz darauf sein, dass aus der Schwimm-AG des Maximilian-Kolbe-Gymnasiums inzwischen eine Weltmeisterin hervorgegangen ist! Kaja-Winke Pistel stand im vergangenen Jahr bei den Masters-Weltmeisterschaften im Münchener Olympiabad zusammen mit ihren Vereinskolleginnen des Schwimmclubs Elmshorn über 4 x 50m Freistil der Altersklasse A (25-30 Jahre) auf dem höchsten Siegertreppchen. - Herzlichen Glückwunsch!

Wolfgang Bley